DIN 1053-1
Mauerwerk
Teil 1: Berechnung und Ausführung

November 1996

ICS 91.060.10; 91.080.30

Ersatz für Ausgabe 1990-02
Mit DIN 1053-2 : 996 -11
Ersatz für DIN 1053-2 : 1984-07

Deskriptoren: Mauerwerk, Berechnung, Ausführung, Bauwesen

Masonry - Design and construction
Maçonneries - Calcul et exécution

Normenausschuß Bauwesen (NABau) im DIN Deutsches Institut für Normung e.V.

Maße in mm

 


 

Inhalt

1 Anwendungsbereich und normative Verweisungen
1.1 Anwendungsbereich
1.2 Normative Verweisungen
            
2 Begriffe
2.1 Rezeptmauerwerk (RM)
2.2 Mauerwerk nach Eignungsprüfung (EM)
2.3 Tragende Wände
2.4 Aussteifende Wände
2.5 Nichttragende Wände
2.6 Ringanker
2.7 Ringbalken
            
3 Bautechnische Unterlagen
            
4 Druckfestigkeit des Mauerwerks
            
5 Baustoffe
5.1 Mauersteine
5.2 Mauermörtel
5.2.1 Anforderungen
5.2.2 Verarbeitung
5.2.3 Anwendung
5.2.3.1 Allgemeines
5.2.3.2 Normalmörtel (NM)
5.2.3.3 Leichtmörtel (LM)
5.2.3.4 Dünnbettmörtel (DM)
            
6 Vereinfachtes Berechnungsverfahren
6.1 Allgemeines
6.2 Ermittlung der Schnittgrößen infolge von Lasten
6.2.1 Auflagerkräfte aus Decken
6.2.2 Knotenmomente
6.3 Wind
6.4 Räumliche Steifigkeit
6.5 Zwängungen
6.6 Grundlagen für die Berechnung der Formänderung
6.7 Aussteifung und Knickfänge von Wänden
6.7.1 Allgemeine Annahmen für aussteifende Wände
6.7.2 Knicklängen
6.7.3 Öffnungen in Wänden
6.8 Mitwirkende Breite von zusammengesetzten Querschnitten
6.9 Bemessung mit dem vereinfachten Verfahren
6.9.1 Spannungsnachweis bei zentrischer und exzentrischer Druckbeanspruchung
6.9.2 Nachweis der Knicksicherheit
6.9.3 Auflagerpressung
6.9.4 Zug- und Biegezugspannungen
6.9.5 Schubnachweis
            
7 Genaueres Berechnungsverfahren
7.1 Allgemeines
7.2 Ermittlung der Schnittgrößen infolge von Lasten
7.2.1 Auflagerkräfte aus Decken
7.2.2 Knotenmomente
7.2.3 Vereinfachte Berechnung der Knotenmomente
7.2.4 Begrenzung der Knotenmomente
7.2.5 Wandmomente
7.3 Wind
7.4 Räumliche Steifigkeit
7.5 Zwängungen
7.6 Grundlagen für die Berechnung der Formänderungen
7.7 Aussteifung und Knicklänge von Wänden
7.7.1 Allgemeine Annahmen für aussteifende Wände
7.7.2 Knicklängen
7.7.3 Öffnungen in Wänden
7.8 Mittragende Breite von zusammengesetzten Querschnitten
7.9 Bemessung mit dem genaueren Verfahren
7.9.1 Tragfähigkeit bei zentrischer und exzentrischer Druckbeanspruchung
7.9.2 Nachweis der Knicksicherheit
7.9.3 Einzellasten, Lastausbreitung und Teilflächenpressung
7.9.4 Zug- und Biegezugspannungen
7.9.5 Schubnachweis
            
8 Bauteile und Konstruktionsdetails
8.1 Wandarten, Wanddicken
8.1.1 Allgemeines
8.1.2 Tragende Wände
8.1.2.1 Allgemeines
8.1.2.2 Aussteifende Wände
8.1.2.3 Kellerwände
8.1.3 Nichttragende Wände
8.1.3.1 Allgemeines
8.1.3.2 Nichttragende Außenwände
8.1.3.3 Nichttragende innere Trennwände
8.1.4 Anschluß der Wände an die Decken und den Dachstuhl
8.1.4.1 Allgemeines
8.1.4.2 Anschluß durch Zuganker
8.1.4.3 Anschluß durch Haftung und Reibung
8.2 Ringanker und Ringbalken
8.2.1 Ringanker
8.2.2 Ringbalken
8.3 Schlitze und Aussparungen
8.4 Außenwände
8.4.1 Allgemeines
8.4.2 Einschalige Außenwände
8.4.2.1 Verputzte einschaligen Außenwände
8.4.2.2 Unverputzte einschalige Außenwände (einschaliges Verblendmauerwerk)
8.4.3 Zweischaligen Außenwände
8.4.3.1 Konstruktionsarten und allgemeine Bestimmungen für die Ausführung
8.4.3.2 Zweischalige Außenwände mit Luftschicht
8.4.3.3 Zweischalige Außenwände mit Luftschicht und Wärmedämmung
8.4.3.4 Zweischalige Außenwände mit Kerndämmung
8.4.3.5 Zweischalige Außenwände mit Putzschicht
8.5 Gewölbe, Bogen und Gewölbewirkung
8.5.1 Gewölbe und Bogen
8.5.2 Gewölbte Kappen zwischen Trägern
8.5.3 Gewölbewirkung über Wandöffnungen
            
9 Ausführung
9.1 Allgemeines
9.2 Lager-, Stoß- und Längsfugen
9.2.1 Vermauerung mit Stoßfugenvermörtelung
9.2.2 Vermauerung ohne Stoßfugenvermörtelung
9.2.3 Fugen in Gewölben
9.3 Verband
9.4 Mauern bei Frost
            
10 Eignungsprüfungen
            
11 Kontrollen und Güteprüfungen auf der Bauteile
11.1 Rezeptmauerwerk (RM)
11.1.1 Mauersteine
11.1.2 Mauermörtel
11.2 Mauerwerk nach Eignungsprüfung (EM)
11.2.1 Einstufungsschein, Eignungsnachweis des Mörtels
11.2.2 Mauersteine
11.2.3 Mörtels
            
12 Natursteinmauerwerk
12.1 Allgemeines
12.2 Verband
12.2.1 Allgemeines
12.2.2 Trockenmauerwerk
12.2.3 Zyklopenmauerwerk und Bruchsteinmauerwerk
12.2.4 Hammerrechtes Schichtenmauerwerk
12.2.5 Unregelmäßiges Schichtenmauerwerk
12.2.6 Regelmäßiges Schichtenmauerwerk
12.2.7 Quadermauerwek
12.2.8 Verblendmauerwerk (Mischmauerwerk)
12.3 Zulässige Beanspruchung
12.3.1 Allgemeines
12.3.2 Spannungsnachweis bei zentrischer und exzentrischer Druckbeanspruchung
12.3.3 Zug- und Biegezugspannungen
12.3.4 Schubspannungen
            
            
Anhang A Mauermörtel
            
A.1 Mörtelarten
A.2 Bestandteile und Anforderungen
A.2.1 Sand
A.2.2 Bindemittel
A.2.3 Zusatzstoffe
A.2.4 Zusatzmittel
A.3 Mörtelzusammensetzung und Anforderungen
A.3.1 Normalmörtel (NM)
A.3.2 Leichtmörtel (LM)
A.3.3 Dünnbettmörtel (DM)
A.3.4 Verarbeitbarkeit
A.4 Herstellung des Mörtels
A.4.1 Baustellenmörtel
A.4.2 Werkmörtel
A.5 Eignungsprüfungen
A.5.1 Allgemeines
A.5.2 Normalmörtel
A.5.3 Leichtmörtel
A.5.4 Dünnbettmörtel

 


 

Vorwort
Diese Norm wurde vom Normenausschuß Bauwesen (NABau), Fachbereich 06 "Mauerwerksbau", Arbeitsausschuß 06.30.00 "Rezept-und Ingenieurmauerwerk", erarbeitet. DIN 1053 "Mauerwerk" besteht aus folgenden Teilen:

Teil 1: Berechnung und Ausführung
Teil 2: Mauerwerksfestigkeitsklassen aufgrund von Eignungsprüfungen
Teil 3: Bewehrtes Mauerwerk - Berechnung und Ausführung
Teil 4: Bauten aus Ziegelfertigbauteilen

Änderungen
Gegenüber der Ausgabe Februar 1990 und DIN 1053-2: 1984-07 wurden folgende Änderungen vorgenommen:

a) Haupttitel "Rezeptmauerwerk" gestrichen;
b) Inhalt sachlich und redaktionell neueren Erkenntnissen angepaßt;
c) Genaueres Berechnungsverfahren, bisher in DIN 1053-2, eingearbeitet.

Frühere Ausgaben
DIN 4156: 05.43; DIN 1053: 02.37x, 12.52, 11.62; DIN 1053-1: 1974-11, 1990-02

1. Anwendungsbereich und normative Verweisungen

1.1 Anwendungsbereich
Diese Norm gilt für die Berechnung und Ausführung von Mauerwerk aus künstlichen und natürlichen Steinen.
Mauerwerk nach dieser Norm darf entweder nach dem vereinfachten Verfahren (Voraussetzungen siehe 6.1) oder nach dem genaueren Verfahren (siehe Abschnitt 7) berechnet werden.
Innerhalb eines Bauwerkes, das nach dem vereinfachten Verfahren berechnet wird, dürfen einzelne Bauteile nach dem genaueren Verfahren bemessen werden.
Bei der Wahl der Bauteile sind auch die Funktionen der Wände hinsichtlich des Wärme-, Schall-, Brand- und Feuchteschutzes zu beachten. Bezüglich der Vermauerung mit und ohne Stoßfugenvermörtelung siehe 9.2.1 und 9.2.2.
Es dürfen nur Baustoffe verwendet werden, die den in dieser Norm genannten Normen entsprechen.

ANMERKUNG: Die Verwendung anderer Baustoffe bedarf nach den bauaufsichtlichen Vorschriften eines besonderen Nachweises der Verwendbarkeit, z. B. durch eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung.

1.2 Normative Verweisungen
Diese Norm enthält durch datierte oder undatierte Verweisungen Festlegungen aus anderen Publikationen. Diese normativen Verweisungen sind an den jeweiligen Stellen im Text zitiert, und die Publikationen sind nachstehend aufgeführt. Bei datierten Verweisungen gehören spätere Änderungen oder Überarbeitungen dieser Publikationen nur zu dieser Norm, falls sie durch Änderungen oder Überarbeitung eingearbeitet sind. Bei undatierten Verweisungen gilt die letzte Ausgabe der in Bezug genommenen Publikation.

DIN 105-1 Mauerziegel - Vollziegel und Hochlochziegel
DIN 105-2 Mauerziegel - Leichthochlochziegel
DIN 105-3 Mauerziegel - Hochfeste Ziegel und hochfeste Klinker
DIN 105-4 Mauerziegel - Keramikklinker
DIN 105-5 Mauerziegel - Leichtlanglochziegel und Leichtlangloch-Ziegelplatten
DIN 106-1 Kalksandsteine - Vollsteine, Lochsteine, Blocksteine, Hohlblocksteine
DIN 106-2 Kalksandsteine - Vormauersteine und Verblender
DIN 398 Hüttensteine - Vollsteine, Lochsteine, Hohlblocksteine
DIN 1045 Beton und Stahlbeton - Bemessung und Ausführung
DIN 1053-2 Mauerwerk - Teil 2: Mauerwerksfestigkeitsklassen aufgrund von Eignungsprüfungen
DIN 1053-3 Mauerwerk - Bewehrtes Mauerwerk - Berechnung und Ausführung
DIN 1055-3 Lastannahmen für Bauten - Verkehrslasten
DIN 1057-1 Baustoffe für freistehende Schornsteine - Radialziegel - Anforderungen, Prüfung, Überwachung
DIN 1060-1 Baukalk - Teil 1 : Definitionen, Anforderungen, Überwachung
DIN 1164-1 Zement - Teil 1: Zusammensetzung, Anforderungen
DIN 4103-1 Nichttragende innere Trennwände - Anforderungen, Nachweise
DIN 4108-3 Wärmeschutz im Hochbau - Klimabedingter Feuchteschutz - Anforderungen und Hinweise für Planung und Ausführung
DIN 4108-4 Wärmeschutz im Hochbau - Wärme - und feuchteschutztechnische Kennwerte
DIN 4165 Porenbeton-Blocksteine und Porenbeton-Plansteine
DIN 4211 Putz- und Mauerbinder - Anforderungen, Überwachung
DIN 4226-1 Zuschlag für Beton - Zuschlag mit dichtem Gefüge - Begriffe, Bezeichnung und Anforderungen
DIN 4226-2 Zuschlag für Beton - Zuschlag mit porigem Gefüge (Leichtzuschlag) - Begriffe, Bezeichnung und Anforderungen
DIN 4226-3 Zuschlag für Beton - Prüfung von Zuschlag mit dichtem oder porigem Gefüge
DIN 17 440 Nichtrostenden Stähle - Technische Lieferbedingungen für Blech, Warmband, Walzdraht, gezogenen Draht, Stabstahl, Schmiedestücke und Halbzeug
DIN 18 151 Hohlblöcke aus Leichtbeton
DIN 18 152 Vollsteine und Vollblöcke aus Leichtbeton
DIN 18 153 Mauersteine aus Beton (Normalbeton)
DIN 18 195-4 Bauwerksabdichtungen - Abdichtungen gegen Bondenfeuchtigkeit - Bemessung und Ausführung
DIN 18 200 Überwachung (Güteüberwachung) von Baustoffe, Bauteilen und Bauarten - Allgemeine Grundsätze
DIN 18 515-1 Außenwandbekleidungen - Angemörtelte Fliesen oder Platten - Grundsätze für Planung und Ausführung
DIN 18 515-2 Außenwandbekleidungen - Anmauerung auf Aufstandsflächen - Grundsätze für Planung und Ausführung
DIN 18 550-1 Putz- Begriffe und Ausführung
DIN 18 555-2 Prüfung von Mörteln mit mineralischen Bindemitteln - Frischmörtel mit dichten Zuschlägen - Bestimmung der Konsistenz, der Rohdichte und des Luftgehalts
DIN 18 555-3 Prüfung von Mörteln mit mineralischen Bindemitteln - Festmörtel - Bestimmung der Biegezugfestigkeit, Druckfestigkeit und Rohdichte
DIN 18 555-4 Prüfung von Mörteln mit mineralischen Bindemitteln - Festmörtel - Bestimmung der Längs - und Querdehnung sowie von Verformungskenngrößen von Mauermörteln im statischen Druckversuch
DIN 18 555-5 Prüfung von Mörteln mit mineralischen Bindemitteln - Festmörtel - Bestimmung der Haftscherfestigkeit von Mauermörteln
DIN 18 555-8 Prüfung von Mörteln mit mineralischen Bindemitteln - Festmörtel - Bestimmung der Verarbeitbarkeitszeit und der Korrigierbarkeitszeit von Dünnbettmörteln für Mauerwerk
DIN 18 557 Werkmörtel - Herstellung, Überwachung und Lieferung
DIN 50 014 Klimate und ihre technische Anwendung - Normalklimate
DIN 51 043 Traß - Anforderungen, Prüfung
DIN 52 105 Prüfung von Naturstein - Druckversuch
DIN 52 612-1 Wärmeschutztechnische Prüfungen - Bestimmung der Wärmeleitfähigkeit mit dem Plattengerät - Durchführung und Auswertung
DIN 53 237 Prüfung von Pigmenten - Pigmente zum Einfärben von zement- und kalkgebundenen Baustoffen

Richtlinien für die Erteilung von Zulassungen für Betonzusatzmittel (Zulassungsrichtlinien), Fassung Juni 1993, abgedruckt in den Mitteilungen des Deutschen Instituts für Bautechnik, 1993, Heft 5
Vorläufige Richtlinie zur Ergänzung der Eignungsprüfung von Mauermörtel - Druckfestigkeit der Lagerfuge - Anforderungen, Prüfung
Zu beziehen über Deutsche Gesellschaft für Mauerwerksbau e. V (DGfM), 53179 Bonn, Schloßallee 10.

2 Begriffe

2.1 Rezeptmauerwerk (RM)
Rezeptmauerwerk ist Mauerwerk, dessen Grundwerte der zulässigen Druckspannungen
so in Abhängigkeit von Steinfestigkeitsklassen, Mörtelarten und Mörtelgruppen nach den Tabellen 4a und 4b festgelegt werden.

2.2 Mauerwerk nach Eignungsprüfung (EM)
Mauerwerk nach Eignungsprüfung ist Mauerwerk, dessen Grundwerte der zulässigen Druckspannungen
so aufgrund von Eignungsprüfung nach DIN 1053-2 und nach Tabelle 4c bestimmt werden.

2.3 Tragende Wände
Tragende Wände sind überwiegend auf Druck beanspruchte, scheibenartige Bauteile zur Aufnahme vertikaler Lasten, z. B. Deckenlasten, sowie horizontaler Lasten, z. B. Windlasten. Als "Kurze Wände" gelten Wände oder Pfeiler, deren Querschnittsflächen kleiner als 1 000 cm2 sind. Gemauerte Querschnitte kleiner als 400 cm2 sind als tragende Teile unzulässig.

2.4 Aussteifende Wände
Aussteifende Wände sind scheibenartige Bauteile zur Aussteifung des Gebäudes oder zur Knickaussteifung tragender Wände. Sie gelten stets auch als tragende Wände.

2.5 Nichttragende Wände
Nichttragende Wände sind scheibenartige Bauteile, die überwiegend nur durch ihre Eigenlast beansprucht werden und auch nicht zum Nachweis der Gebäudeaussteifung oder der Knickaussteifung tragender Wände herangezogen werden.

2.6 Ringanker
Ringanker sind in Wandebene liegende horizontale Bauteile zur Aufnahme von Zugkräften, die in den Wänden infolge von äußeren Lasten oder von Verformungsunterschieden entstehen können.

2.7 Ringbalken
Ringbalken sind in Wandebene liegende horizontale Bauteile, die außer Zugkräften auch Biegemomente infolge von rechtwinklig zur Wandebene wirkenden Lasten aufnehmen können.

3 Bautechnische Unterlagen
Als bautechnische Unterlagen gelten insbesondere die Baubeschreibung sowie etwaige Zulassungs- und Prüfbescheide.
Für die Beurteilung und Ausführung des Mauerwerks sind in den bautechnischen Unterlagen mindesten Angaben über

a) Wandaufbau und Mauerwerksart (RM oder EM) ,
b) Art, Rohdichteklasse und Druckfestigkeitsklasse der zu verwendenden Steine,
c) Mörtelart, Mörtelgruppe,
d) Aussteifende Bauteile, Ringanker und Ringbalken,
e) Schlitze und Aussparungen,
f) Verankerungen der Wände,
g) Bewehrungen des Mauerwerks
h) verschiebliche Auflagerungen

erforderlich.

4 Druckfestigkeit des Mauerwerks
Die Druckfestigkeit des Mauerwerks wird bei Berechnung nach dem vereinfachten Verfahren nach 6.9 charakterisiert durch die Grundwerte s0 der zulässigen Druckspannungen. Sie sind in Tabelle 4a und 4b in Abhängigkeit von den Steinfestigkeitsklassen, den Mörtelarten und Mörtelgruppen, in Tabelle 4c in Abhängigkeit von der Nennfestigkeit des Mauerwerks nach DIN 1053-2 festgelegt.
Wird nach dem genaueren Verfahren nach Abschnitt 7 gerechnet, so sind die Rechenwerte
bR der Druckfestigkeit von Mauerwerk nach Gleichung (10) zu berechnen.
Für Mauerwerk aus Natursteinen ergeben sich die Grundwerte
s0 der zulässigen Druckspannungen in Abhängigkeit von der Güteklasse des Mauerwerks, der Steinfestigkeit und der Mörtelgruppe aus Tabelle 14.

5 Baustoffe

5.1 Mauersteine
Es dürfen nur Steine verwendet werden, die DIN 1051-1 bis DIN 105-5, DIN 106-1 und DIN 106-2, DIN 398, DIN 1058-1, DIN 4165,
DIN 18 151, DIN 18 152 und DIN 18 153 entsprechen.
Für die Verwendung von Natursteinen gilt Abschnitt 12.

5.2 Mauermörtel

5.2.1 Anforderungen
Es dürfen nur Mauermörtel verwendet werden, die den Bedingungen des Anhanges A entsprechen.

5.2.2 Verarbeitung
Zusammensetzung und Konsistenz des Mörtels müssen vollfugiges Vermauern ermöglichen. Dies gilt besonders für Mörtel der Gruppen III und IIIa. Werkmörteln dürfen auf der Baustelle keine Zuschläge und Zusätze (Zusatzstoffe und Zusatzmittel) zugegeben werden. Bei ungünstigen Witterungsbedingungen (Nässe, niedrige Temperaturen) ist ein Mörtel mindestens der Gruppe II zu verwenden.
Der Mörtel muß vor Beginn des Erstarrens verarbeitet sein.

5.2.3 Anwendung

5.2.3.1 Allgemeines
Mörtel unterschiedlicher Arten und Gruppen dürfen auf einer Bauteile nur dann gemeinsam werden, wenn sichergestellt ist, daß keine Verwechslung möglich ist.

5.2.3.2 Normalmörtel (NM)
Es gelten folgende Einschränkungen:

a) Mörtelgruppe I:
- Nicht zulässig für Gewölbe und Kellermauerwerk, mit Ausnahme bei der Instandsetzung von altem Mauerwerk, das mit Mörtel der Gruppe I gemauert ist.
- Nicht zulässig für bei mehr als zwei Vollgeschossen und bei Wanddicken kleiner als 240 mm; dabei ist als Wanddicke bei zweischaligen Außenwänden die Dicke der Innenschale maßgebend.
- Nicht zulässig für Vermauern der Außenschale nach 8.4.3.
- Nicht zulässig für Mauerwerk EM
b) Mörtelgruppen II und IIa:
- Keine Einschränkung.
c) Mörtelgruppen III und IIIa:
- Nicht zulässig für Vermauern der Außenschale nach 8.4.3. Abweichend davon darf MG III zum nachträglichen Verfugen und für diejenigen Bereiche von Außenschalen verwendet werden, die als bewehrtes Mauerwerk nach DIN 1053-3 ausgeführt werden.

5.2.3.3 Leichtmörtel (LM)
Es gelten folgende Einschränkungen:

- Nicht zulässig für Gewölbe und der Witterung ausgesetztes Sichtmauerwerk (siehe auch 8.4.2.2 und 8.4.3)

5.2.3.4 Dünnbettmörtel (DM)
Es gelten folgende Einschränkungen:

- Nicht zulässig für Gewölbe und für Mauersteine mit Maßabweichungen der Höhe von mehr als 1,0 mm ( Anforderungen am Plansteine).

 

6 Vereinfachtes Berechnungsverfahren

6.1 Allgemeines
Der Nachweis der Standsicherheit darf mit dem gegenüber Abschnitt 7 vereinfachten Verfahren geführt werden, wenn die folgenden und die in Tabelle 1 enthaltenen Voraussetzungen erfüllt sind:

- Gebäudehöhe über Gelände nicht mehr als 20 m.

Als Gebäudehöhe darf bei geneigten Dächern das Mittel von First - und Traufhöhe gelten.

- Stützweite der aufliegenden Decken l £ 6,0 m, sofern nicht die Biegemomente aus dem Deckendrehwinkel durch konstruktive Maßnahmen, z. B. Zentrierleisten, begrenzt werden; bei zweiachsig gespannten Decken ist für l die kürzere der beiden Stützweiten einzusetzen.

Tabelle 1 : Voraussetzungen für die Anwendung des vereinfachten Verfahrens

 

Bauteil

Voraussetzungen

Wanddicke

d

mm

lichte Wandhöhe

hs

Verkehrslast

p

kN/m2

1

Innenwände

³ 115
< 240

£ 2,75 m

£ 5

2

³ 240

-

3

einschalige
Außenwände

³ 1751)
< 240

£ 2,75m

4

³ 240

£ 12. d

5

Tragschale zweischaliger Außenwände und zweischalige Haustrennwände

³ 1152)
<175
2)

£ 2,75 m

£ 33)

6

³ 175
< 240

£ 5

7

³ 240

£ 12. d

1) Bei eingeschossigen Garagen und vergleichbaren Bauwerken, die nicht zum dauernden Aufenthalt von Menschen vorgesehen sind, auch d ³ 115 mm zulässig.
2) Geschoßanzahl maximal zwei Vollgeschosse zuzüglich ausgebautes Dachgeschoß; aussteifende Querwände im Abstand £ 4,50 m bzw. Randabstand von einer Öffnung £ 2,0 m.
3) Einschließlich Zuschlag für nichttragende innere Trennwände.

Beim vereinfachten Verfahren brauchen bestimmte Beanspruchungen, z. B. Biegemomente aus Deckeneinspannung, ungewollte Exzentrizitäten beim Knicknachweis, Wind auf Außenwände usw., nicht nachgewiesen zu werden, da sie im Sicherheitsabstand, der den zulässigen Spannungen zugrunde liegt, oder durch konstruktive Regeln und Grenzen berücksichtigt sind.
Ist die Gebäudehöhe größer als 20 m, oder treffen die in diesem Abschnitt enthaltenen Voraussetzungen nicht zu, oder soll die Standsicherheit des Bauwerkes oder einzelner Bauteile genauer nachgewiesen werden, ist der Standsicherheitsnachweis nach Abschnitt 7 zu führen.

6.2 Ermittlung der Schnittgrößen infolge von Lasten

6.2.1 Auflagerkräfte aus Decken
Die Schnittgrößen sind für die während des Errichtens und im Gebrauch auftretenden, maßgebenden Lastfälle zu berechnen. Bei der Ermittlung der Stützkräfte, die von einachsig gespannten Platten und Rippendecken sowie von Balken und Plattenbalken auf das Mauerwerk übertragen werden, ist die Durchlaufwirkung bei der ersten Innenstütze stets, bei den übrigen Innenstützen dann zu berücksichtigen, wenn das Verhältnis benachbarter Stützweiten kleiner als 0,7 ist. Alle übrigen Stützkräfte dürfen ohne Berücksichtigung einer Durchlaufwirkung unter der Annahme berechnet werden, daß die Tragwerke über allen Innenstützen gestoßen und frei drehbar gelagert sind. Tragende Wände unter einachsig gespannten Decken, die parallel zur Deckenspannrichtung verlaufen, sind mit einem Deckenstreifen angemessener Breite zu belasten, so daß eine mögliche Lastabtragung in Querrichtung berücksichtigt ist. Die Ermittlung der Auflagerkräfte aus zweiachsig gespannten Decken darf nach DIN 1045 erfolgen.

6.2.2 Knotenmomente
In Wände, die als Zwischenauflager von Decken dienen, brauchen die Biegemomente infolge des Auflagerdrehwinkels der Decken unter den Voraussetzungen des vereinfachten Verfahrens nicht nachgewiesen zu werden. Als Zwischenauflager in diesem Sinne gelten:

a) Innenauflager durchlaufender Decken
b) Beidseitige Endauflager von Decken
c) Innenauflager von Massivdecken mit oberer konstruktiver Bewehrung im Auflagerbereich, auch wenn sie rechnerisch auf einer oder auf beiden Seiten der Wand parallel zur Wand gespannt sind.

In Wänden, die als einseitiges Endauflager von Decken dienen, brauchen die Biegemomente infolge des Auflagerdrehwinkels der Decken unter den Voraussetzungen des vereinfachten Verfahrens nicht nachgewiesen zu werden, da dieser Einfluß im Faktor k3 nach 6.9.1 berücksichtigt ist.

6.3 Wind
Der Einfluß der Windlast rechtwinklig zur Wandebene darf beim Spannungsnachweis unter den Voraussetzungen des vereinfachten Verfahrens in der Regel vernachlässigt werden, wenn ausreichende horizontale Halterungen der Wände vorhanden sind. Als solche gelten z. B. Decken mit Scheibenwirkung oder statisch nachgewiesene Ringbalken im Abstand der zulässigen Geschoßhöhen nach Tabelle 1.
Unabhängig davon ist die räumliche Steifigkeit des Gebäudes sicherzustellen.

6.4 Räumliche Steifigkeit
Alle horizontalen Kräfte, z. B. Windlasten, Lasten aus Schrägstellung des Gebäudes, müssen sicher in den Baugrund weitergeleitet werden können. Auf einen rechnerischen Nachweis der räumlichen Steifigkeit darf verzichtet werden, wenn die Geschoßdecken als steife Scheiben ausgebildet sind bzw. statisch nachgewiesene, ausreichend steife Ringbalken vorliegen und wenn in Längs- und Querrichtung des Gebäudes eine offensichtlich ausreichende Anzahl von genügend langen aussteifenden Wände vorhanden ist, die ohne größere Schwächungen und ohne Versprünge bis auf die Fundamente geführt sind.
Ist bei einem Bauwerk nicht von vornherein erkennbar, daß Steifigkeit und Stabilität gesichert sind, so ist ein rechnerischer Nachweis der Standsicherheit der waagerechten und lotrechten Bauteile erforderlich. Dabei sind auch Lotabweichungen des Systems durch den Ansatz horizontaler Kräfte zu berücksichtigen, die sich durch eine rechnerische Schrägstellung des Gebäudes um den in Bogenmaß gemessenen Winkel

ergeben. Für hG ist die Gebäudehöhe in m über OK Fundament einzusetzen.
Bei Bauwerken, die aufgrund ihres statischen Systems eine Umlagerung der Kräfte erlauben, dürfen bis zu 15% des ermittelten horizontalen Kraftanteils einer Wand auf andere Wände umverteilt werden.
Bei großer Nachgiebigkeit der aussteifenden Bauteile müssen darüber hinaus die Formänderungen bei der Ermittlung der Schnittgrößen berücksichtigt werden. Dieser Nachweis darf entfallen, wenn die lotrechten aussteifenden Bauteile in der betrachteten Richtung die Bedingungen der folgenden Gleichung erfüllen:

Hierin bedeuten:

hG Gebäudehöhe über OK Fundament
N Summe aller Iotrechten Lasten des Gebäudes
EI Summe der Biegesteifigkeit aller lotrechten aussteifenden Bauteile im Zustand I nach der Elastizitätstheorie in der betrachteten Richtung
(für E siehe 6.6)
n Anzahl der Geschosse

6.5 Zwängungen
Aus der starren Verbindung von Baustoffen unterschiedlichen Verformungsverhaltens können erhebliche Zwängungen infolge von Schwinden, Kriechen und Temperaturänderungen entstehen, die Spannungsumlagerungen und Schäden im Mauerwerk bewirken können. Das gleiche gilt bei unterschiedlichen Setzungen. Durch konstruktive Maßnahmen (z. B. ausreichende Wärmedämmung , geeignete Baustoffwahl, zwängungsfreie Anschlüsse, Fugen usw.) ist unter Beachtung von 6.6 sicherzustellen, daß die vorgenannten Einwirkungen die Standsicherheit und Gebrauchsfähigkeit der baulichen Anlage nicht zulässig beeinträchtigen.

6.6 Grundlagen für die Berechnung der Formänderung
Als Rechenwerte für die Verformungseigenschaften der Mauerwerksarten aus künstlichen Steinen dürfen die in der Tabelle 2 angegebenen Werte angenommen werden.
Die Verformungseigenschaften der Mauerwerksarten können stark streuen. Der Streubereich ist in Tabelle 2 als Wehrbereich angegebenen; er kann in Ausnahmefällen noch größer sein. Sofern in den Steinnormen der Nachweis anderer Grenzwerte des Wehrbereichs gefordert wird, gelten diese. Müssen Verformungen berücksichtigt werden, so sind die der Berechnung zugrunde liegende Art und Festigkeitsklasse der Steine, die Mörtelart und die Mörtelgruppe anzugeben.
Für die Berechnung der Randdehnung
e R nach Bild 3 sowie der Knotenmomente nach 7.2.2 und zum Nachweis der Knicksicherheit nach 7.9.2 dürfen vereinfachend die dort angegebenen Verformungswerte angenommen werden.

Tabelle 2. Verformungskennwerte für Kriechen, Schwinden, Temperaturänderung sowie Elastizitätsmoduln

Mauersteinart

Endwert der Feuchtedehnung (Schwinden, chemisches
Quellen)
1)

Endkriechzahl

Wärmedehnungskoeffizient

Elastizitätsmodul

e¦ ¥ 1)

j ¥ 2)

a T

E 3)

Rechenwert

Wertebereich

Rechenwert

Wertebereich

Rechenwert

Wertebereich

Rechenwert

Wertebereich

mm/m

10-6/ K

MN/m2

1

2

3

4

5

6

7

8

9

Mauerziegel

0

+0,3 bis - 0,2

1,0

0,5 bis 1,5

6

5 bis 7

3500 . Oo

3000
bis 4000 . O
o

Kallksandsteine4)

-0,2

-0,1 bis - 0,3

1,5

1,0 bis 2,0

8

7 bis 9

3000 . Oo

2500
bis 4000 . O
o

Leichtbetonsteine

-0,4

-0,2 bis -0,5

2,0

1,5 bis 2,5

10

85)

8 bis 12

5000 . Oo

4000
bis 5500 . O
o

Betonsteine

-0,2

-0,1 bis -0,3

1,0

-

10

8 bis 12

7500 . Oo

6500
bis 8500 . O
o

Porenbetonsteine

-0,2

+0,1 bis -0,3

1,5

1,0 bis 2,5

8

7 bis 9

2500 . Oo

2000
bis 3000 . O
o

1) Verkürzung (Schwinden): Vorzeichen minus; Verlängerung (chemisches Quellen): Vorzeichen plus
2) j ¥ = e¦ ¥ / eel; ek¥ Endkriechdehnung; eel = s /E
3) E Sekantenmodul aus Gesamtdehnung bei etwa 1/3 der Mauerwerksdruckfestigkeit; s o Grundwert nach Tabellen 4a, 4b und 4c.
4) Gilt auch für Hüttensteine
5) Für Leichtbeton mit überwiegend Blähton als Zuschlag

6.7 Aussteifung und Knicklänge von Wänden

6.7.1 Allgemeine Annahmen für aussteifende Wände
Je nach Anzahl der rechtwinklig zur Wandebene unverschieblich gehaltenen Ränder werden zwei-, drei- und vierseitig gehaltene sowie frei stehende Wände unterschieden. Als unverschiebliche Halterung dürfen horizontal gehaltene Deckenscheiben und aussteifende Querwände oder andere ausreichend steife Bauteile angesehen werden. Unabhängig davon ist das Bauwerk als Ganzes nach 6.4 auszusteifen.
Bei einseitig angeordneten Querwände darf unverschiebliche Halterung der auszusteifenden Wand nur angenommen werden, wenn Wand und Querwand aus Baustoffen annähernd gleichen Verformungsverhaltens gleichzeitig im Verband hochgeführt werden und wenn ein Abreißen der Wände infolge stark unterschiedlicher Verformung nicht zu erwarten ist, oder wenn die zug- und druckfeste Verbindung durch andere Maßnahmen gesichert ist. Beidseitig angeordnete Querwände, deren Mittelebenen gegeneinander um mehr als die dreifache Dicke der auszusteifenden Wand versetzt sind, sind wie einseitig angeordnete Querwände zu behandeln.
Aussteifende Wände müssen mindestens eine wirksame Länge von 1/5 der lichten Geschoßhöhe h
s und eine Dicke von 1/3 der Dicke der auszusteifenden Wand, jedoch mindestens 115 mm, haben.
Ist die aussteifende Wand durch Öffnungen unterbrochen, muß die Länge der Wand zwischen den Öffnungen mindestens so groß wie nach
Bild 1 sein. Bei Fenstern gilt die lichte Fensterhöhe h1
bzw. h2.
Bei beidseitig angeordneten, nicht versetzten Querwände darf auf das gleichzeitige Hochführen der beiden Wände im Verband verzichtet werden, wenn jede der beiden Querwände den vorstehend genannten Bedingungen für aussteifende Wände genügt. Auf Konsequenzen aus unterschiedlichen Verformungen und aus bauphysikalischen Anforderungen ist in diesem Fall besonders zu achten.


(
ß Bild 1)

Bild 1: Mindestlänge der aussteifenden Wand

6.7.2 Knicklängen
Die Knicklängen h
k von Wänden ist in Abhängigkeit von der lichten Geschoßhöhe hs wie folgt in Rechnung zu stellen:
a) Zweiseitig gehaltene Wände:
Im allgemeinen gilt

hk = hs

Bei Plattendecken und anderen flächig aufgelagerten Massivdecken darf die Einspannung der Wand in den Decken durch Abminderung der Knicklänge auf

hk = b . hs

berücksichtigt werden.
Sofern kein genauerer Nachweis für
b nach 7.7.2 erfolgt, gilt vereinfacht:

b = 0,75 für Wanddicke d £ 175mm
b = 0,90 für Wanddicke 175mm < d £ 250mm
b = 1,00 für Wanddicke d > 250mm.

Als flächig aufgelagerte Massivdecken in diesem Sinn gelten auch Stahlbetonbalken- und -rippendecken nach DIN 1045 mit Zwischenbauteilen, bei denen die Auflagerung durch Randbalken erfolgt.
Die so vereinfacht ermittelte Abminderung der Knicklänge ist jedoch nur zulässig, wenn keine größeren horizontalen Lasten als die planmäßigen Windlasten rechtwinklig auf die Wände wirken und folgende Mindestauflagertiefen a auf den Wänden der Dicke d gegeben sind:

d ³ 240 mm a ³ 175 mm
d < 240 mm a = d

b ) Drei- und vierseitig gehaltene Wände:
Für die Knicklänge gilt h
k = b . hs. Bei Wänden der Dicke d mit lichter Geschoßhöhe hs £ 3,50 m darf b in Abhängigkeit von b und b' nach Tabelle 3 angenommen werden, falls kein genauerer Nachweis für b nach 7.7.2 erfolgt. Ein Faktor b ungünstiger als bei einer zweiseitig gehaltenen Wand braucht nicht angesetzt zu werden. Die Größe b bedeutet bei vierseitiger Halterung den Mittenabstand d der aussteifenden Wände, b bei dreiseitiger Halterung den Abstand zwischen der Mitte der aussteifenden Wand und dem freien Rand (siehe Bild 2). Ist b > 30 . d bei vierseitiger Halterung bzw. b' > 15 . d bei dreiseitiger Halterung, so sind die Wände wie zweiseitig gehaltene zu behandeln. Ist die Wand in der Höhen des mittleren Drittels durch vertikale Schlitze oder Nischen geschwächt, so ist für d die Restwanddicke einzusetzen oder ein freier Rand anzunehmen. Unabhängig von der Lage eines vertikalen Schlitzes oder einer Nische ist an ihrer Stelle eine Öffnung anzunehmen, wenn die Restwanddicke kleiner als die halbe Wanddicke oder kleiner als 115 mm ist.


(
ß Bild 2)

Bild 2: Darstellung der Größen b und b'

Tabelle 3: Faktor b zur Bestimmung der Knicklänge hK = b . hs von drei- und vierseitig gehaltenen Wänden in Abhängigkeit vom Abstand b der aussteifenden werden bzw. vom Randabstand b' und der Dicke d auszusteifenden Wand

Dreiseitig gehaltene Wand

b

Vierseitig gehaltene Wand

Wanddicke in mm

b'

 

m

b

 

m

Wanddicke in mm

240

175

115

115

175

240

300

   

b' £
1,75m

0,65

0,35

2,00

 

b £ 3,45m

     

0,75

0,40

2,25

0,85

0,45

2,50

0,95

0,50

2,80

1,05

0,55

3,10

1,15

0,60

3,40

1,25

0,65

3,80

b £ 5,25m

1,40

0,70

4,30

1,60

0,75

4,80

1,85

0,80

5,60

b £ 7,20m

2,20

0,85

6,60

b' £ 2,60 m

2,80

0,90

8,40

b' £ 3,60 m b £ 9,00m

6.7.3 Öffnungen in Wänden
Haben Wände Öffnungen, deren lichte Höhe größer als 1/4 der Geschoßhöhe oder deren lichte Breite größer als 1/4 der Wandbreite oder deren Gesamtfläche größer als 1/10 der Wandfläche ist, so sind die Wandteile zwischen Wandöffnung und aussteifender Wand als dreiseitig gehalten, die Wandteile zwischen Wandöffnungen als zweiseitig gehalten anzusehen.

6.8 Mitwirkende Breite von zusammengesetzten Querschnitten
Als zusammengesetzt gelten nur Querschnitte, deren Teile aus Steinen gleicher Art, Höhe und Festigkeitsklasse bestehen, die gleichzeitig im Verband mit gleichem Mörtel gemauert werden und bei denen ein Abreißen von Querschnitten infolge stark unterschiedlicher Verformung nicht zu erwarten ist. Querschnittsschwächungen durch Schlitze sind zu berücksichtigen. Brüstungs- und Sturzmauerwerk dürfen nicht in die mitwirkende Breite einbezogen werden. Die mitwirkende Breite darf nach der Elastizitätstheorie ermittelt werden. Falls kein genauer Nachweis geführt wird, darf die mitwirkende Breite beidseits zu je 1/4 der über dem betrachteten Schnitt liegenden Höhe des zusammengesetzten Querschnitts, jedoch nicht mehr als die vorhandene Querschnittsbreite, angenommen werden.
Die Schubtragfähigkeit des zusammengesetzten Querschnitts ist nach 7.9.5 nachzuweisen.

6.9 Bemessung mit dem vereinfachten Verfahren

6.9.1 Spannungsnachweis bei zentrischer und exzentrischer Druckbeanspruchung
Für den Gebrauchszustand ist auf der Grundlage einer linearen zulässigen Spannungsverteilung unter Ausschluß von Zugspannungen nachzuweisen, daß die Druckspannungen

zul sD = k . so (3)

nicht überschritten werden.
Hierin bedeuten:

s o Grundwerte nach Tabellen 4a, 4b oder 4c.
k Abminderungsfaktor:
- Wände als Zwischenauflager: k = k1 . k2

- Wände als einseitiges Endauflager: k = k1 . k2 oder k = k1 . k3, der kleinere Wert ist maßgebend.
k1 Faktor zur Berücksichtigung unterschiedlicher Sicherheitsbeiwerte bei Wänden und "kurzen Wänden"
k1 = 1,0 für Wände
k1 = 1,0 für "kurze Wände" nach 2.3, die aus einem oder mehreren ungetrennten Steinen oder aus getrennten Steinen mit einem Lochanteil von weniger als 35% bestehen und nicht durch Schlitze oder Aussparungen geschwächt sind.
k1 = 0,8 für alle anderen "kurzen Wände".
Gemauerte Querschnitte, deren Flächen kleiner als 400 cm2 sind, sind als tragende Teile zulässig. Schlitze und Aussparungen sind hierbei zu berücksichtigen.
k2 Faktor zur Berücksichtigung der Traglastminderung bei Knickgefahr nach 6.9.2.
k2 = 1,0 für hK/ d
£ 10

mit hK als Knicklänge nach 6.7.2. Schlankheiten hK/ d > 25 sind unzulässig.
k3 k3 Faktor zur Berücksichtigung der Traglastminderung durch den Deckendrehwinkel bei Endauflagerung auf Innen- oder Außenwänden.
Bei Decken zwischen Geschossen:
k3 = 1 für l £ 4,20 m
k3 = 1,7 - l/6 für 4,20 m < l £ 6,00 m

mit l als Deckenstützweite in m nach 6.1.
Bei Decken über dem obersten Geschoß, insbesondere bei Dachdecken:
k3 = 0,5 für alle Werte von l. Hierbei sind rechnerisch klaffende Lagerfugen vorausgesetzt.
Wird die Traglastminderung infolge Deckendrehwinkel durch konstruktive Maßnahmen, z. B. Zentrierleisten, vermieden, so gilt unabhängig von der Deckenstützweite k3 = 1.

Falls ein Nachweis für ausmittige Last zu führen ist, dürfen sich die Fugen sowohl bei Ausmitte in Richtung der Wandebene (Scheibenbeanspruchung) als auch rechtwinklig dazu (Plattenbeanspruchung) rechnerisch höchstens bis zum Schwerpunkt des Querschnitts öffnen. Sind Wände als Windscheiben rechnerisch nachzuweisen, so ist bei Querschnitten mit klaffender Fuge infolge Scheibenbeanspruchung zusätzlich nachzuweisen, daß die rechnerische Randdehnung aus der Scheibenbeanspruchung auf der Seite der Klaffung den Wert e R = 10-4 nicht überschreitet (siehe Bild 3). Der Elastizitätsmodul für Mauerwerk darf hierfür zu E = 3000 . so angenommen werden.


(
ß Bild 3)

Bild 3: Zulässige rechnerische Randdehnung bei Scheiben

Bei zweiseitig gehaltenen Wänden mit d < 175 mm und mit Schlankheiten
und Wandbreiten < 2,0 m ist der Einfluß einer ungewollten, horizontalen Einzellast H = 0,5 kN, die in halber Geschoßhöhe angreift und die über die Wandbreite gleichmäßig verteilt werden darf, nachzuweisen. Für diesen Lastfall dürfen die zulässigen Spannungen um den Faktor 1,33 vergrößert werden. Dieser Nachweis darf entfallen, wenn Gleichung (12) eingehalten ist.

Tabelle 4a: Grundwerte so der zulässigen Druckspannungen für Mauerwerk mit Normalmörtel

Steinfestig-
keitsklasse

Grundwerte s o für Normalmörtel
Mörtelgruppe

I
MN/m2

II
MN/m2

IIa
MN/m2

III
MN/m2

IIIa
MN/m2

2

0,3

0,5

0,51)

-

-

4

0,4

0,7

0,8

0,9

-

6

0,5

0,9

1,0

1,2

-

8

0,6

1,0

1,2

1,4

-

12

0,8

1,2

1,6

1,8

1,9

20

1,0

1,6

1,9

2,4

3,0

28

-

1,8

2,3

3,0

3,5

36

-

-

-

3,5

4,0

48

-

-

-

4,0

4,5

60

-

-

-

4,5

5,0

1) s o = 0,6 MN/m2 bei Außenwänden mit Dicken ³ 300 mm. Diese Erhöhung gilt jedoch nicht für den Nachweis der Auflagerpressung nach 6.9.3.

6.9.2 Nachweis der Knicksicherheit
Der Faktor k2 nach 6.9.1 berücksichtigt im vereinfachten Verfahren die ungewollte Ausmitte und die Vorformung nach Theorie II. Ordnung. Dabei ist vorausgesetzt, daß in halber Geschoßhöhe nur Biegemomente aus Knotenmomenten nach 6.2.2 und aus Windlasten auftreten. Greifen größere horizontale Lasten an oder werden vertikale Lasten mit größerer planmäßiger Exzentrizität eingeleitet, so ist der Knicksicherheitsnachweis nach 7.9.2 zu führen. Ein Versatz der Wandachsen infolge einer Änderung der Wanddicken gilt dann nicht als größere Exzentrizität, wenn der Querschnitt der dickeren tragenden Wand den Querschnitt der dünneren tragenden Wand umschreibt.

Tabelle 4b: Grundwerte so der zulässigen Druckspannungen für Mauerwerk mit Dünnbett- und Leichtmörtel

Steinfestig-
keitsklasse

Grundwerte so für

Dünnbettmörtel1)

MN/m2

Leichtmörtel

LM 21
MN/m2

LM 36
MN/m2

2

0,6

0,52)

0,52),3)

4

1,1

0,74)

0,85)

6

1,5

0,7

0,9

8

2,0

0,8

1,0

12

2,2

0,9

1,1

20

3,2

0,9

1,1

28

3,7

0,9

1,1

1) Anwendung nur bei Porenbeton-Plansteinen nach DIN 4165 und bei Kalksand-Plansteinen. Die Werte gelten für Vollsteine. Für Kalksand-Lochsteine und Kalksand-Hohlblocksteine nach DIN 106-1 gelten die entsprechenden Werte der Tabelle 4a bei Mörtelgruppe III bis Steinfestigkeitsklasse 20.
2) r Mauerwerk mit Mauerziegeln nach DIN 105-1 bis DIN 105-4 gilt
so = 0,4MN/m2.
3) so = 0,6 MN/m2 bei Außenwänden mit Dicken ³ 300 mm. Diese Erhöhung gilt jedoch nicht für den Fall der Fußnote2) und nicht für den Nachweis der Auflagerpressung nach 6.9.3.
4) r Kalksandsteine nach DIN 106-1 der Rohdichteklasse ³ 0,9 und für Mauerziegel nach DIN 105-1 bis DIN 105-4 gilt so = 0,5 MN/m2.
5) r Mauerwerk mit den in Fußnote 4) genannten Mauersteinen gilt so = 0,7 MN/m2.

Tabelle 4c: Grundwerte so der zulässigen Druckspannungen für Mauerwerk nach Eignungsprüfung (EM)

Nennfestigkeit b M1)
in MN/m2

1,0 bis 9,0

11,0 und 13,0

16,0 bis 25,0

s o in MN/m2 2)

0,35 bM

0,32 bM

0,30 bM

1) bM nach DIN 1053-2
2) so ist auf 0,01 MN/m2 abzurunden.

6.9.3 Auflagerpressung
Werden Wände von Einzellasten belastet, so muß die Aufnahme der Spaltzugkräfte sichergestellt sein. Dies kann bei sorgfältig ausgeführtem Mauerwerksverband als gegeben angenommen werden. Die Druckverteilung unter Einzellasten darf dann innerhalb des Mauerwerks unter 60
° angesetzt werden. Der höher beanspruchte Wandbereich darf in höherer Mauerwerksfestigkeit ausgeführt werden. Es ist 6.5 zu beachten.
Unter Einzellasten, z. B. unter Balken, Unterzügen, Stützen usw. , darf eine gleichmäßig verteilte Auflagerpressung von 1,3 .
so nach Tabellen 4a, 4b oder 4c angenommen werden, wenn zusätzlich nachgewiesen wird, daß die Mauerwerksspannung in halber Wandhöhe den Wert zul sD nach Gleichung (3) nicht überschreitet.
Teilflächenpressungen rechtwinklig zur Wandebene dürfen den Wert 1,3 .
so nach Tabellen 4a, 4b oder 4c nicht überschreitet. Bei Einzellasten F ³ 3 kN ist zusätzlich die Schubspannung in den Lagerfugen der belasteten Steine nach 6.9.5, Gleichung (6), nachzuweisen. Bei Loch- und Kammersteinen ist z. B. durch Unterlagsplatten sicherzustellen, daß die Druckkraft auf mindestens zwei Stege übertragen wird.

6.9.4 Zug- und Biegezugspannungen
Zug- und Biegezugspannungen rechtwinklig zur Lagerfuge dürfen in tragenden Wänden nicht in Rechnung gestellt werden.
Zug- und Biegezugspannungen
s z parallel zur Lagerfuge in Wandrichtung dürfen bis zu folgenden Höchstwerten in Rechnung gestellt werden:
zul
s z = 0,4 . soHS + 0,12 . s D £ max s z (4)
Hierin bedeuten:

zul sz zulässige Zug- und Biegezugspannung parallel zur Lagerfuge;
sD zugehörige Druckspannung rechtwinklig zur Lagerfuge;
soHS zulässige abgeminderte Haftscherfestigkeit nach Tabelle 5;
max sz Maximalwert der zulässigen Zug- und Biegezugspannung nach Tabelle 6.

Tabelle 5: Zulässige abgeminderte Haftscherfestigkeit s oHS in MN/m2

Mörtelart,
Mörtelgruppe

NM I

NM II

NM IIa
LM 21
LM 36

NM III
DM

NM IIIa

s oHS1)

0,01

0,04

0,09

0,11

0,13

1) Für Mauerwerk mit unvermörtelten Stoßfugen sind die Werte MNoHS zu halbieren. Als vermörtelt in diesem Sinn gilt eine Stoßfuge, bei der etwa die halbe Wanddicke oder mehr vermörtelt ist.

Tabelle 6: Maximale Werte max s z der zulässigen Biegezugspannungen in MN/m2

Steinfestigkeitsklasse

2

4

6

8

12

20

³ 28

max s z

0,01

0,02

0,04

0,05

0,10

0,15

0,20

6.9.5 Schubnachweis
Ist ein Nachweis der räumlichen Steifigkeit nach 6.4 nicht erforderlich, darf im Regelfall auch der Schubnachweis für die aussteifenden Wände entfallen.
Ist ein Schubnachweis erforderlich, darf für Rechteckquerschnitte (keine zusammengesetzten Querschnitte) das folgende vereinfachte Verfahren angewendet werden :


Scheibenschub:

zul t = s oHS + 0,2 . s Dm £ max t (6a)

Plattenschub:

zul t = s oHS + 0,3 s Dm (6b)

Hierin bedeuten:

Q Querkraft
A überdrückte Querschnittsfläche
c Faktor zur Berücksichtigung der Verteilung von t über den Querschnitt. Für hohe Wände mit H/L ³ 2 gilt c = 1,5; für Wände mit H/L £ 1,0 gilt c = 1,0; dazwischen darf linear interpoliert werden. H bedeutet die Gesamthöhe, L die Länge der Wand. Bei Plattenschub gilt c = 1,5.
s oHS siehe Tabelle 5
s Dm mittlere zugehörige Druckspannung rechtwinklig zur Lagerfuge im ungerissenen Querschnitt A
max t = 0,010 . bNst für Hohlblocksteine
= 0,012 .
bNst für Hohlblocksteine und Steine mit Grifföffnungen oder -löchern
= 0,014
. bNst für Vollsteine ohne Grifföffnungen oder -löchern
bNst Nennwert der Steindruckfestigkeit (Steinfestigkeitsklasse).

7 Genaueres Berechnungsverfahren

7.1 Allgemeines
Das genauere Berechnungsverfahren darf auf einzelne Bauteile, einzelne Geschosse oder ganze Bauwerke angewendet werden.

7.2 Ermittlung der Schnittgrößen infolge von Lasten

7.2.1 Auflagerkräfte aus Decken
Es gilt 6.2.1.

7.2.2 Knotenmomente
Der Einfluß der Decken-Auflagerdrehwinkel auf die Ausmitte der Lasteintragung in die Wände ist zu berücksichtigen. Dies darf durch eine Berechnung des Wand-Decken-Knotens erfolgen, bei der vereinfachend ungerissene Querschnitte und elastisches Materialverhalten zugrunde gelegt werden können. Die so ermittelten Knotenmomente dürfen auf 2/3 ihres Wertes ermäßigt werden.
Die Berechnung des Wand-Decken-Knotens darf an einem Ersatzsystem unter Abschätzung der Momenten-Nullpunkte in den Wänden, im Regelfall in halber Geschoßhöhe, erfolgen. Hierbei darf die halbe Verkehrslast wie ständige Last angesetzt und der Elastizitätsmodul für Mauerwerk zu E = 3000
so angenommen werden.

7.2.3 Vereinfachte Berechnung der Knotenmomente
Die Berechnung des Wand-Decken-Knotens darf durch folgende Näherungsrechnung ersetzt werden, wenn die Verkehrslast nicht größer als 5 kN/ m2 ist:
Der Auflagerdrehwinkel der Decken bewirkt, daß die Deckenauflagerkraft A mit einer Ausmitte e angreift, wobei e zu 5% der Differenz der benachbarten Deckenspannweiten, bei Außenwänden zu 5% der angrenzenden Deckenspannweite angesetzt werden darf.
Bei Dachdecken ist das Moment MD = AD . eD voll in den Wandkopf, bei Zwischendecken ist das Moment MZ = AZ . eZ je zur Hälfte in den angrenzenden Wandkopf und Wandfuß einzuleiten. Längskräfte N
o infolge Lasten aus darüber befindlichen Geschossen dürfen zentrisch angesetzt werden (siehe auch Bild 4).


(
ß Bild 4)

Bild 4: Vereinfachende Annahmen zur Berechnung von Knoten- und Wandmomenten

Bei zweiachsig gespannten Decken mit Spannweitenverhältnissen bis 1 : 2 darf als Spannweite zur Ermittlung der Lastexzentrizität 2/3 der kürzeren Seite eingesetzt werden.

7.2.4 Begrenzung der Knotenmomente
Ist die rechnerische Exzentrizität der resultierenden Last aus Decken und darüber befindlichen Geschossen infolge der Knotenmomente am Kopf bzw. Fuß der Wand größer als 1/3 der Wanddicke d, so darf sie zu 1/3 d angenommen werden. In diesem Fall ist Schäden infolge von Rissen in Mauerwerk und Putz durch konstruktive Maßnahmen, z. B. Fugenausbildung, Zentrierleisten, Kantennut usw. mit entsprechender Ausbildung der Außenhaut entgegenzuwirken.

7.2.5 Wandmomente
Der Momentenverlauf über die Wandhöhe infolge Vertikallasten ergibt sich aus den anteiligen Wandmomenten der Knotenberechnung (siehe Bild 4). Momente infolge Horizontallasten, z. B. Wind oder Erddruck, dürfen unter Einhaltung des Gleichgewichts zwischen den Grenzfällen Volleinspannung und gelenkige Lagerung umgelagert werden; dabei ist die Begrenzung der klaffenden Fuge nach 7.9.1 zu beachten.

7.3 Wind
Momente aus Windlast rechtwinklig zur Wandebene dürfen im Regelfall bis zu einer Höhe von 20 m über Gelände vernachlässigt werden, wenn die Wanddicken d
³ 240 mm und die lichten Geschoßhöhe hs £ 3,0 m sind. In Wandebene sind die Windlasten jedoch zu berücksichtigen (siehe 7.4).

7.4 Räumliche Steifigkeit
Es gilt 6.4.

7.5 Zwängungen
Es gilt 6.5.

7.6 Grundlagen für die Berechnung der Formänderungen
Es gilt 6.6. Für die Berechnung der Formänderungen darf vereinfachend der E - Modul E = 3000 .
so angenommen werden. Beim Nachweis der Knicksicherheit gilt der ideelle Sekantenmodul Ei = 1100 . so.

7.7 Aussteifung und Knicklänge von Wänden

7.7.1 Allgemeine Annahmen für aussteifende Wände
Es gilt 6.7.1.

7.7.2 Knicklängen
Die Knicklänge hK von Wänden ist in Abhängigkeit von der lichten Geschoßhöhe h
s wie folgt in Rechnung zu stellen:
a) Frei stehende Wände :

Hierin bedeuten:

No Längskräfte am Wandkopf,
Nu Längskräfte am Wandfuß.

b) Zweiseitig gehaltene Wände:
Im allgemeinen gilt

hK = hs                                                  (8a)

Bei flächig aufgelagerten Decken, z. B. Massivdecken, darf die Knicklänge wegen der Einspannung der Wände in den Decken nach Tabelle 7 reduziert werden, wenn die Bedingungen dieser Tabelle eingehalten sind. Hierbei darf der Wert b nach Gleichung (8b) angenommen werden, falls er nicht durch Rahmenrechnung nach Theorie II. Ordnung bestimmt wird:

Hierin bedeuten:

Emw' Eb E-Modul des Mauerwerk nach 6.6 bzw. des Betons nach DIN 1045
Imw' Ib Flächenmoment 2. Grades der Mauerwerkswand bzw. der Betondecke
l1 l2 Angrenzende Deckenstützweiten; bei Außenwänden gilt

Bei Wanddicken £ 175 mm darf ohne Nachweis b = 0,75 gesetzt werden. Ist die rechnerische Exzentrizität der Last im Knotenanschnitt nach 7.2.4 größer als 1/3 der Wanddicke, so ist stets b = 1 zu setzen.

Tabelle 7 : Reduzierung der Knicklänge zweiseitig gehaltener Wände mit flächig aufgelagerten Massivdecken

Wanddicke
d
mm

Erforderliche Auflagertiefe a der Decke auf der Wand

< 240

d

³ 240
£ 300

³

> 300

³

Planmäßiger Ausmitte e1) der Last in halber Geschoßhöhe (für alle Wanddicken)

Reduzierte Knicklänge
h
K2)

£

b . hs

1,00 hs

1) Das heißt Ausmitte ohne Berücksichtigung von ¦ 1 und ¦ 2 nach 7.9.2, jedoch gegebenenfalls auch infolge Wind.
2) Zwischenwerte dürfen geradlinig eingeschaltet werden.

c) Dreiseitig gehaltene Wände (mit einem freien vertikalen Rand):

d) Vierseitig gehaltene Wände :

für hs > b :

Hierin bedeuten:

b Abstand des freien Randes von der Mitte der aussteifenden Wand, bzw. Mittenabstand der aussteifenden Wände
b wie bei zweiseitig gehaltenen Wänden

Ist b > 30 d bei vierseitig gehaltenen Wänden, bzw. b > 15 d bei dreiseitig gehaltenen Wänden, so sind diese wie zweiseitig gehaltene zu behandeln. Hierin ist d die Dicke der gehaltenen Wand. Ist die Wand im Bereich des mittleren Drittels durch vertikale Schlitze oder Nischen geschwächt, so ist für d die Restwanddicke einzusetzen oder ein freier Rand anzunehmen. Unabhängig von der Lage eines vertikalen Schlitzes oder einer Nische ist an ihrer Stelle ein freier Rand anzunehmen, wenn die Restwanddicke kleiner als die halbe Wanddicke oder kleiner als 115 mm ist.

7.7.3 Öffnungen in Wänden
Es gilt 6.7.3.

7.8 Mittragende Breite von zusammengesetzten Querschnitten
Es gilt 6.8.

7.9 Bemessung mit dem genaueren Verfahren

7.9.1 Tragfähigkeit bei zentrischer und exzentrischer Druckbeanspruchung
Auf der Grundlage einer linearen Spannungsverteilung und ebenbleibender Querschnitte ist nachzuweisen, daß die
g -fache Gebrauchslast ohne Mitwirkung des Mauerwerks auf Zug im Bruchzustand aufgenommen werden kann. Hierbei ist bR der Rechenwert der Druckfestigkeit des Mauerwerks mit der theoretischen Schlankheit Null. bR ergibt sich aus

bR = 2,67 . so                               (10)

Hierin bedeutet:

so Grundwert der zulässigen Druckspannung nach Tabellen 4a, 4b oder 4c.

Der Sicherheitsbeiwert ist gw = 2,0 für Wände und für "kurze Wände" (Pfeiler) nach 2.3, die aus einem oder mehreren ungetrennten Steinen oder aus getrennten Steinen mit einem Lochanteil von weniger als 35% bestehen und keine Aussparungen oder Schlitze enthalten. Für alle anderen "kurze Wände" gilt gp = 2,5. Gemauerte Querschnitte mit Flächen kleiner als 400 cm2 sind als tragende Teile unzulässig.
Im Gebrauchszustand dürfen klaffende Fugen infolge der planmäßigen Exzentrizität e (ohne
¦ 1 und ¦ 2 nach 7.9.2) rechnerisch höchstens bis zum Schwerpunkt des Gesamtquerschnitts entstehen. Bei Querschnitten, die vom Rechteck abweichen, ist außerdem eine mindestens 1,5fache Kippsicherheit nachzuweisen. Bei Querschnitten mit Scheibenbeanspruchung und klaffender Fuge ist zusätzlich nachzuweisen, daß die rechnerische Randdehnung aus der Scheibenbeanspruchung auf der Seite der Klaffung unter Gebrauchslast den Wert eR = 10-4 nicht überschreitet (siehe Bild 3). Bei exzentrischer Beanspruchung darf im Bruchzustand die Kantenpressung den Wert 1,33 bR, die mittlere Spannung den Wert bR nicht überschreiten.

7.9.2 Nachweis der Knicksicherheit
Bei der Ermittlung der Spannungen sind außer der planmäßigen Exzentrizität e die ungewollte Ausmitte
¦ 1 und die Stabauslenkung ¦ 2 nach Theorie II. Ordnung zu berücksichtigen. Die ungewollte Ausmitte darf bei zweiseitig gehaltenen Wänden sinusförmig über die Geschoßhöhe mit dem Maximalwert

(hk = Knicklänge nach 7.7.2) angenommen werden.
Die Spannungsdehnungsbeziehung ist durch einen ideellen Sekantenmodul Ei zu erfassen. Abweichend von Tabelle 2 gilt für alle Mauerwerksarten Ei = 1100 .
s o.
An Stelle einer genaueren Rechnung darf die Knicksicherheit durch Bemessung der Wand in halber Geschoßhöhe nachgewiesen werden, wobei außer der planmäßigen Exzentrizität f = f1 + f2 anzusetzen ist :

Hierin bedeuten:

Schlankheit der Wand
hK      Knicklänge der Wand
bezogene planmäßige Exzentrizität in halber Geschoßhöhe

In Gleichung (11) ist der Einfluß des Kriechens in angenäherter Form erfaßt.
Wandmomente nach 7.2.5 sind mit ihren Werten in halber Geschoßhöhe als planmäßige Exzentrizität zu berücksichtigen.

Schlankheiten > 25 sind nicht zulässig.

Bei zweiseitig gehaltenen Wänden nach 6.4 mit Schlankheiten > 12 und Wandbreiten < 2,0 m ist zusätzlich nachzuweisen, daß unter dem Einfluß einer ungewollten, horizontalen Einzellast H = 0,5 kN die Sicherheit g mindestens 1,5 beträgt. Die Horizontalkraft H ist in halber Wandhöhe anzusetzen und darf auf die vorhandene Wandbreite b gleichmäßig verteilt werden.
Dieser Nachweis darf entfallen, wenn

Hierin bedeutet:

A Wandquerschnitt b . d.

7.9.3 Einzellasten, Lastausbreitung und Teilflächenpressung
Werden Wände von Einzellasten belastet, so ist die Aufnahme der Spaltzugkräfte konstruktiv sicherzustellen. Die Spaltzugkräfte können durch die Zugfestigkeit des Mauerwerksverbandes, durch Bewehrung oder durch Stahlbetonkonstruktionen aufgenommen werden.
Ist die Aufnahme der Spaltzugkräfte konstruktiv gesichert, so darf die Druckverteilung unter konzentrierten Lasten innerhalb des Mauerwerkes unter 60° angesetzt werden. Der höher beanspruchte Wandbereich darf in höherer Mauerwerksfestigkeit ausgeführt werden. 7.5 ist zu beachten.
Wird nur die Teilfläche A1 (Übertragungsfläche) eines Mauerweksquerschnittes durch eine Druckraft mittig oder ausmittig belastet, dann darf A1 mit folgender Teilflächenpressung
s 1 beansprucht werden, sofern die Teilfläche A1 £ 2 d2 und die Exzentrizität des Schwerpunktes der Teilfläche ist:

Hierin bedeuten:

a1 Abstand der Teilfläche vom nächsten Rand der Wand in Längsrichtung
l1 Länge der Teilfläche in Längsrichtung
d Dicke der Wand
g Sicherheitsbeiwert nach 7.9.1.

(ß Bild 5)

Bild 5: Teilflächenpressungen

Teilflächenpressungen rechtwinklig zur Wandebene dürfen den Wert 0,5 bR nicht überschreiten. Bei Einzellasten F ³ 3 kN ist zusätzlich die Schubspannung in den Lagerfugen der belasteten Einzelsteine nach 7.9.5 nachzuweisen. Bei Loch- und Kammersteinen ist z. B. durch Unterlagsplatten sicherzustellen, daß die Druckkraft auf mindestens 2 Stege übertragen wird.

7.9.4 Zug- und Biegezugspannungen
Zug- und Biegezugspannungen rechtwinklig zur Lagerfuge dürfen in tragenden Wänden nicht in Rechnung gestellt werden.
Zug- und Biegezugspannungen
sz parallel zur Lagerfuge in Wandrichtung dürfen bis zu folgenden Höchstwerten im Gebrauchszustand in Rechnung gestellt werden.

Der kleinere Wert ist maßgebend.
Hierin bedeuten:

zul s Z zulässige Zug- und Biegezugspannungen parallel zur Lagerfuge
s D Druckspannung rechtwinklig zur Lagerfuge
b RHS Rechenwert der abgeminderten Haftscherfestigkeit nach 7.9.5
b RZ Rechenwert der Steinzugfestigkeit nach 7.9.5
m Reibungsbeiwert = 0,6
ü Überbindemaß nach 9.3
h Steinhöhe
g Sicherheitsbeiwert nach 7.9.1

7.9.5 Schubnachweis
Die Schubspannungen sind nach der technischen Biegelehre bzw. nach der Scheibentheorie für homogenes Material zu ermitteln, wobei Querschnittsbereiche, in denen die Fugen rechnerisch klaffen, nicht in Rechnung gestellt werden dürfen. Die unter Gebrauchslast vorhandenen Schubspannungen T und die zugehörige Normalspannung
s in der Lagerfuge Scheibenschub:

Hierin bedeuten:

b RHS Rechenwert der abgeminderten Haftscherfestigkeit. Es gilt
b RHS = 2 s oHS mit s oHS nach Tabelle 5. Auf die erforderliche Vorbehandlung von Steinen und Arbeitsfugen entsprechend 9.1 wird besonders hingewiesen.
m Rechenwert des Reibungsbeiwertes. Für alle Mörtelarten darf m = 0,6 angenommen werden.
Rechenwert des abgeminderten Reibungsbeiwertes. Mit der Abminderung wird die Spannungsverteilung in der Lagerfuge längs eines Steins berücksichtigt. Für alle Mörtelgruppen darf gesetzt werden.

 

(ß Bild 6)

Bild 6: Bereich der Schubtragfähigkeit bei Scheibenschub

b RZ Rechenwert der Steinzugfestigkeit. Es gilt:
b RZ = 0,025 . b Nst für Hohlblocksteine
= 0,033 . b Nst für Hohlblocksteine und Steine mit Grifföffnungen oder Grifflöchern
= 0,040 . b Nst für Vollsteine ohne Grifföffnungen oder Grifflöcher
b Nst Nennwert der Steindruckfestigkeit (Steindruckfestigkeitsklasse)
g Sicherheitsbeiwert nach 7.9.1

Bei Rechteckquerschnitten genügt es, den Schubnachweis für die Stelle der maximalen Schubspannung zu führen. Bei zusammengesetzten Querschnitten ist außerdem der Nachweis am Anschnitt der Teilquerschnitte zu führen.

 

8 Bauteile und Konstruktionsdetails

8.1 Wandarten, Wanddicken

8.1.1 Allgemeines
Die statisch erforderliche Wanddicke ist nachzuweisen. Hierauf darf verzichtet werden, wenn die gewählte Wanddicke offensichtlich ausreicht. Die in den folgenden Abschnitten festgelegten Mindestwanddicken sind einzuhalten.
Innerhalb eines Geschosses soll zur Vereinfachung von Ausführung und Überwachung das Wechseln von Steinarten und Mörtelgruppen möglichst eingeschränkt werden (siehe auch 5.2.3).
Steine, die unmittelbar der Witterung ausgesetzt bleiben, müssen frostwiderstandsfähig sein. Sieht die Stoffnorm hinsichtlich der Frostwiderstandsfähigkeit unterschiedliche Klassen vor, so sind bei Schornsteinköpfen, Kellereingangs-, Stütz- und Gartenmauern, stark strukturiertem Mauerwerk und ähnlichen Anwendungsbereichen Steine mit der höchsten Frostwiderstandsfähigkeit zu verwenden.
Unmittelbar der Witterung ausgesetzte, horizontale und leicht geneigte Sichtmauerwerksflächen, wie z. B. Mauerkronen, Schornsteinköpfe, Brüstungen, sind durch geeignete Maßnahmen (z. B. Abdeckung) so auszubilden, daß Wasser nicht eindringen kann.

8.1.2 Tragende Wände

8.1.2.1 Allgemeines
Wände, die mehr als ihre Eigenlast aus einem Geschoß zu tragen haben, sind stets als tragende Wände anzusehen. Wände, die der Aufnahme von horizontalen Kräften rechtwinklig zur Wandebene dienen, dürfen auch als nichttragende Wände nach 8.1.3 ausgebildet sein.
Tragende Innen- und Außenwände sind mit einer Dicke von mindestens 115 mm auszuführen, sofern aus Gründen der Standsicherheit, der Bauphysik oder des Brandschutzes nicht größere Dicken erforderlich sind.
Die Mindestmaße tragender Pfeiler betragen 115 mm x 365 mm bzw. 175 mm x 240 mm.
Tragende Wände sollen unmittelbar auf Fundamente gegründet werden. Ist dies in Sonderfällen nicht möglich, so ist auf ausreichende Steifigkeit der Abfangkonstruktion zu achten.

8.1.2.2 Aussteifende Wände
Es ist 8.1.2.1, zweiter und letzter Absatz, zu beachten.

8.1.2.3 Kellerwände
Bei Kellerwänden darf der Nachweis auf Erddruck entfallen, wenn die folgenden Bedingungen erfüllt sind:

a) Lichte Höhe der Kellerwand hs £ 2,60 m, Wanddicke d ³ 240 mm
b) Die Kellerdecke wirkt als Scheibe und kann die aus dem Erddruck entstehenden Kräfte aufnehmen.
c) Im Einflußbereich des Erddrucks auf die Kellerwände beträgt die Verkehrslast auf der Geländeoberfläche nicht mehr als 5kN/m2, die Gländeoberfläche steigt nicht an, und die Anschütthöhe he ist nicht größer als die Wandhöhe hs.
d) Die Wandlängskraft N1 aus ständige Last in halber Höhe der Anschüttung liegt innerhalb folgender Grenzen:

Hierin und in Bild 7 bedeuten:

hs lichte Höhe der Kellerwand
he Höhe der Anschüttung
d Wanddicke
pe Rohdichte der Anschüttung
b R,g nach 7.9.1


(
ß Bild 7)

Bild 7: Lastannahmen für Kellerwäde

Anstelle von Gleichung (17) darf nachgewiesen werden, daß die ständige Auflast No der Kellerwand unterhalb der Kellerdecke innerhalb folgender Grenzen liegt:

max No ³ No ³ min No                                                        (18)
mit
max No = 0,45 . d . s o
min No nach Tabelle 8
s o siehe Tabellen 4a, 4b, oder 4c

Tabelle 8: Min No für Kellerwände ohne rechnerischen Nachweis

Wanddicke
d

min No in kN/m
bei einer Höhe der Anschüttung he von

mm

1,0 m

1,5 m

2,0 m

2,5 m

240

6

20

45

75

300

3

15

30

50

365

0

10

25

40

490

0

5

15

30

Zwischenwerte sind geradlinig zu interpolieren.

Ist die dem Erddruck ausgesetzte Kellerwand durch Querwände oder statisch nachgewiesene Bauteile im Abstand b ausgesteift, so daß eine zweiachsige Lastabtragung in der Wand stattfinden kann, dürfen die unteren Grenzwerte No und N1 wie folgt abgemindert werden:

Tabelle 9: Größte zulässige Werte der Ausfachungsfläche von nichttragenden Außenwänden ohne rechnerischen Nachweis

1

2

3

4

5

6

7

Wanddicke

Größte zulässige Werte1) der Ausfachungsfläche in m2 Höhe über Gelände von

d

0 bis 8 m

8 bis 20 m

20 bis 100 m

mm

e = 1,0

e ³ 2,0

e = 1,0

e ³ 2,0

e = 1,0

e ³ 2,0

1152)

12

8

8

5

6

4

175

20

14

13

9

9

6

240

36

25

23

16

16

12

³ 300

50

33

35

23

25

17

1) Bei Seitenverhältnissen 1,0 < e < 2,0 dürfen die größten zulässigen Werte der Ausfachungsfläche geradlinig interpoliert werden.
2) Bei Verwendung von Steinen der Festigkeitsklassen ³ 12 dürfen die Werte dieser Zeile um 1/3 vergrößert werden.

 


Zwischenwerte sind geradlinig zu interpolieren.
Die Gleichungen (17) bis (20) setzen rechnerisch klaffende Fugen voraus.
Bei allen Wänden, die Erddruck ausgesetzt sind, soll eine Sperrschicht gegen aufsteigende Feuchtigkeit aus besandeter Pappe oder aus Material mit entsprechendem Reibungsverhalten bestehen.

8.1.3 Nichttragende Wände

8.1.3.1 Allgemeines
Nichttragende Wände müssen auf ihre Fläche wirkende Lasten auf tragende Bauteile, z. B. Wand- oder Deckenscheiben, abtragen.

8.1.3.2 Nichttragende Außenwände
Bei Ausfachungswänden von Fachwerk-, Skelett- und Schottensystemen darf auf einen statischen Nachweis verzichtet werden, wenn

a) die Wände vierseitig gehalten sind (z. B. durch Verzahnung, Versatz oder Anker),
b) die Bedingungen nach Tabelle 9 erfüllt sind und
c) Normalmörtel mindestens der Mörtelgruppe IIa oder Dünnbettmörtel oder Leichtmörtel LM 36 verwendet werden.

In Tabelle 9 ist e das Verhältnis der größeren zur kleineren Seite der Ausfachungsfläche.
Bei Verwendung von Steinen der Festigkeitsklassen
³ 20 und gleichzeitig bei einem Seitenverhältnis e = h / l ³ 2,0 dürfen die Werte der Tabelle 9, Spalten 3, 5 und 7, verdoppelt werden (h, l Höhe bzw. Länge der Ausfachungsfläche).

8.1.3.3 Nichttragende innere Trennwände
Für Nichttragende innere Trennwände, die nicht durch auf ihre Fläche wirkende Windlasten beansprucht werden, siehe DIN 4103-1.

8.1.4 Anschluß der Wände an die Decken und den Dachstuhl

8.1.4.1 Allgemeines
Umfassungswände müssen an die Decken entweder durch Zuganker oder durch Reibung angeschlossen werden.

8.1.4.2 Anschluß durch Zuganker
Zuganker (bei Holzbalkendecken Anker mit Splinten) sind in belasteten Wandbereichen, nicht in Brüstungsbereichen, anzuordnen. Bei fehlender Auflast sind erforderlichenfalls Ringanker vorzusehen. Der Abstand der Zuganker soll im allgemeinen 2 m, darf jedoch in Ausnahmefällen 4 m nicht überschreiten. Bei Wänden, die parallel zur Deckenspannrichtung verlaufen, müssen die Maueranker mindestens einen 1 m breiten Deckenstreifen und mindestens zwei Deckenrippen oder zwei Balken, bei Holzbalkendecken drei Balken, erfassen oder in Querrippen eingreifen.
Werden mit den Umfassungswänden verankerte Balken über einer Innenwand gestoßen so sind die hier zugfest miteinander zu verbinden.
Giebelwände sind durch Querwände oder Pfeilervorlagen ausreichend auszusteifen, falls sie nicht kraftschlüssig mit dem Dachstuhl verbunden werden.

8.1.4.3 Anschluß durch Haftung und Reibung
Bei Massivdecken sind keine besonderen Zuganker erforderlich, wenn die Auflagertiefe der Decke mindestens 100 mm beträgt.

8.2 Ringanker und Ringbalken

8.2.1 Ringanker
In alle Außenwände und in die Querwände, die als vertikale Scheiben der Abtragung horizontaler Lasten (z. B. Wind) dienen, sind Ringanker zu legen, wenn mindestens eines der folgenden Kriterien zutrifft:

a) bei Bauten, die mehr als zwei Vollgeschosse haben oder länger als 18 m sind,
b) bei Wänden mit vielen oder besonders großen Öffnungen, besonders dann, wenn die Summe der Öffnungsbreiten 60% der Wandlänge oder bei Fensterbreiten von mehr als 2/3 der Geschoßhöhe 40% der Wandlänge übersteigt,
c) wenn die Baugrundverhältnisse es erfordern.

Die Ringanker sind in jeder Deckenlage oder unmittelbar darunter anzubringen. Sie dürfen aus Stahlbeton, bewehrtem Mauerwerk, Stahl oder Holz ausgebildet werden und müssen unter Gebrauchslast eine Zugkraft von 30 kN aufnehmen können.
In Gebäuden, in denen der Ringanker nicht durchgehend ausgebildet werden kann, ist die Ringankerwirkung auf andere Weise sicherzustellen.
Ringanker aus Stahlbeton sind mit mindestens zwei durchlaufenden Rundstäben zu bewehren (z. B. zwei Stäben mit mindestens 10 mm Durchmesser). Stöße sind nach DIN 1045 auszubilden und möglichst gegeneinander zu versetzen. Ringanker aus bewehrtem Mauerwerk sind gleichwertig zu bewehren. Auf diese Ringanker dürfen dazu parallel liegende durchlaufende Bewehrungen mit vollem Querschnitt angerechnet werden, wenn sie in Decken oder in Fensterstürzen im Abstand von höchstens 0,5 m von der Mittelebene der Wand bzw. der Decke liegen.

8.2.2 Ringbalken
Werden Decken ohne Scheibenwirkung verwendet oder werden aus Gründen der Formänderung der Dachdecke Gleitschichten unter den Deckenauflagern angeordnet, so ist die horizontale Aussteifung der Wände durch Ringbalken oder statisch gleichwertige Maßnahmen sicherzustellen. Die Ringbalken und ihre Anschlüsse an die aussteifenden Wände sind für eine horizontale Last von
1/100 der vertikalen Last der Wände und gegebenenfalls aus Wind zu bemessen. Bei der Bemessung von Ringbalken unter Gleitschichten sind außerdem Zugkräfte zu berücksichtigen, die den verbleibenden Reibungskräften entsprechen.

8.3 Schlitze und Aussparungen
Schlitze und Aussparungen, bei denen die Grenzwerte nach Tabelle 10 eingehalten werden, dürfen ohne Berücksichtigung bei der Bemessung des Mauerwerks ausgeführt werden.
Vertikale Schlitze und Aussparungen sind auch dann ohne Nachweis zulässig, wenn die Querschnittsschwächung, bezogen auf 1 m Wandlänge, nicht mehr als 6% beträgt und die Wand nicht drei- oder vierseitig gehalten gerechnet ist. Hierbei müssen eine Restwanddicke nach Tabelle 10, Spalte 8, und ein Mindestabstand nach Spalte 9 eingehalten werden.
Alle übrigen Schlitze und Aussparungen sind bei der Bemessung des Mauerwerks zu berücksichtigen.

8.4 Außenwände

8.4.1 Allgemeines
Außenwände sollen so beschaffen sein, daß sie Schlagregenbeanspruchungen standhalten. DIN 4108-3 gibt dafür Hinweise.

8.4.2 Einschalige Außenwände

8.4.2.1 Verputzte einschaligen Außenwände
Bei Außenwänden aus nicht frostwiderstandsfähigen Steinen ist ein Außenputz, der die Anforderungen nach DIN 18 550-1 erfüllt, anzubringen oder ein anderer Witterungsschutz vorzusehen.

8.4.2.2 Unverputzte einschalige Außenwände (einschaliges Verblendmauerwerk)
Bleibt bei einschaligen Außenwänden das Mauerwerk an der Außenseite sichtbar, so muß jede Mauerschicht mindestens zwei Steinreihen gleicher Höhe aufweisen, zwischen denen eine durchgehende, schichtweise versetzte, hohlraumfrei vermörtelte, 20 mm dicke Längsfuge verläuft (siehe Bild 8). Die Mindestwanddicke beträgt 310 mm. Alle Fugen müssen vollfugig und haftschlüssig vermörtelt werden.
Bei einschaligem Verblendmauerwerk gehört die Verblendung zum tragenden Querschnitt. Für die zulässige Beanspruchung ist die im Querschnitt verwendete niedrigste Steinfestigkeitsklasse maßgebend.
Soweit kein Fugenglattstrich ausgeführt wird, sollen die Fugen der Sichtflächen mindestens 15 mm tief flankensauber ausgekratzt und anschließend handwerksgerecht ausgefugt werden.


(
ß Bild 8)

Bild 8: Schnitt durch 375 mm dickes einschaliges Verblendmauerwerk (Prinzipskizze)

8.4.3 Zweischaligen Außenwände

8.4.3.1 Konstruktionsarten und allgemeine Bestimmungen für die Ausführung
Nach dem Wandaufbau wird unterschieden nach zweischaligen Außenwänden

- mit Luftschicht,
- mit Luftschicht und Wärmedämmung,
- mit Kerndämmung,
- mit Putzschicht.

Bei Anordnung einer nichttragenden Außenschale (Verblendschale oder geputzte Vormauerschale) vor einer tragenden Innenschale (Hintermauerschale) ist folgendes zu beachten:

a) Bei der Bemessung ist als Wanddicke nur die Dicke der tragenden Innenschale anzunehmen. Wegen der Mindestdicke der Innenschale siehe 8.1.2.1. Bei Anwendung des vereinfachten Verfahrens ist 6.1 zu beachten.
b) Die Mindestdicke der Außenschale beträgt 90 mm. Dünnere Außenschalen sind Bekleidungen, deren Ausführung in DIN 18 515 geregelt ist. Die Mindestlänge von gemauerten Pfeilern in der Außenschale, die nur Lasten aus der Außenschale zu tragen haben, beträgt 240 mm.
Die Außenschale soll über ihre ganze Länge und vollflächig aufgelagert sein. Bei unterbrochener Auflagerung (z. B. auf Konsolen) müssen in der Abfangebene alle Steine beidseitig aufgelagert sein.
c) Außenschale von 115 mm Dicke sollen in Höhenabständen von etwa 12 m abgefangen werden. Sie dürfen bis zu 25 mm über ihr Auflager vorstehen. Ist die 115 mm dicke Außenschale nicht höher als zwei Geschosse oder wird sie alle zwei Geschosse abgefangen, dann darf sie bis zu einem Drittel ihrer Dicke über ihr Auflager vorstehen. Diese Überstände sind beim Nachweis der Auflagerpressung zu berücksichtigen. Für die Ausführung der Fugen der Sichtflächen von Verblendschalen siehe 8.4.2.2.
d) Außenschalen von weniger als 115 mm Dicke dürfen nicht höher als 20 m über Gelände geführt werden und sind in Höhenabständen von etwa 6 m abzufangen. Bei Gebäuden bis zwei Vollgeschossen darf ein Giebeldreieck bis 4 m Höhe ohne zusätzliche Abfangung ausgeführt werden. Diese Außenschalen dürfen maximal 15 mm über ihr Auflager vorstehen. Die Fugen der Sichtflächen von diesen Verblendschalen sollen in Glattstrich ausgeführt werden.

Tabelle 10: Ohne Nachweis zulässige Schlitze und Aussparungen in tragenden Wänden

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

Wanddicke

Horizontale und schräge
Schlitze1) nachträglich hergestellt

Vertikale Schlitze und Aussparungen, nachträglich hergestellt

Vertikale Schlitze und Aussparungen
in gemauertem Verband

Schlitzelänge

Schlitztiefe
4)

Einzelschlitz-
breite5)

Abstand der Schlitze
und Aussparungen von Öffnungen

Schlitzbreite
5)

Restwanddicke

Mindestabstand der Schlitze und Aussparungen

unbeschränkt

£ 1,25 m2)

Schlitztiefe
3)

Schlitztiefe

von Öffnungen

untereinander

³ 115

³ 175

³ 240

³ 300

³ 365

-

0

£ 15

£ 20

£ 20

-

£ 25

£ 25

£ 30

£ 30

£ 10

£ 30

£ 30

£ 30

£ 30

£ 100

£ 100

£ 150

£ 200

£ 200

³ 115

-

£ 260

£ 385

£ 385

£ 385

-

³ 115

³ 115

³ 175

³ 240

³ 2fache Schlitzbreite bzw. ³ 240

³ Schlitzbreite

1) Horizontale und schräge Schlitze sind nur zulässig in einem Bereich £ 0,4 m ober- oder unterhalb der Rohdecke sowie jeweils an einer Wandseite. Sie sind nicht zulässig bei Langlochziegeln.
2) Mindestabstand in Längsrichtung von Öffnungen ³ 490 mm, von nächsten Horizontalschlitz zweifache Schlitzlänge.
3) Die Tiefe darf um 10 mm erhöht werden, wenn Werkzeuge verwendet werden, mit denen die Tiefe genau eingehalten werden kann. Bei Verwendung solcher Werkzeuge dürfen auch in Wänden ³ 240 mm gegenüberliegende Schlitze mit jeweils 10 mm Tiefe ausgeführt werden.
4) Schlitze, die bis maximal 1 m über den Fußboden reichen, dürfen bei Wanddicken ³ 240 mm bis 80 mm Tiefe und 120 mm Breite ausgeführt werden.
5) Die Gesamtbreite von Schlitze nach Spalte 5 und Spalte 7 darf je 2 m Wandlänge die Maße in Spalte 7 nicht überschreiten. Bei geringeren Wandlängen als 2 m sind die Werte in Spalte 7 proportional zur Wandlänge zu verringern.

e) Die Mauerwerksschalen sind durch Drahtanker aus nichtrostendem Stahl mit den Werkstoffnummern 1.4401 oder 1.4571 nach DIN 17 440 zu verbinden (siehe Tabelle 11). Die Drahtanker müssen in Form und Maßen Bild 9 entsprechen. Der vertikale Abstand der Drahtanker soll höchstens 500 mm, der horizontale Abstand höchstens 750 mm betragen.

Tabelle 11: Mindestanzahl und Durchmesser von Drahtankern je m2 Wandfläche

   

Drahtanker

Mindestanzahl

Durchmesser
mm

1

mindestens, sofern nicht Zeilen 2 und 3 maßgebend

5

3

2

Wandbereich höher als 12 m über Gelände oder Abstand der Mauerwerksschalen über 70 bis 120 mm

5

4

3

Abstand der Mauerwerksschalen über 120 bis 150 mm

7
oder 5

4
5

An allen freien Rändern (von Öffnungen, an Gebäudeecken, entlang von Dehnungsfugen und an den oberen Enden der Außenschalen) sind zusätzlich zu Tabelle 11 drei Drahtanker je m Randlänge anzuordnen.
Werden die Drahtanker nach Bild 9 in Leichtmörtel eingebettet, so ist dafür LM 36 erforderlich. Drahtanker in Leichtmörtel LM 21 bedürfen einer anderen Verankerungsart.
Andere Verankerungsarten der Drahtanker sind zulässig, wenn durch Prüfzeugnis nachgewiesen wird, daß diese Verankerungsart eine Zug- und Druckkraft von mindestens 1 kN bei 1,0 mm Schlupf je Drahtanker aufnehmen kann. Wird einer dieser Werte nicht erreicht, so ist die Anzahl der Drahtanker entsprechend zu erhöhen.


(
ß Bild 9)

Bild 9: Drahtanker für zweischaliges Mauerwerk für Außenwände

Die Drahtanker sind unter Beachtung ihrer statischen Wirksamkeit so auszuführen, daß sie keine Feuchte von der Außen- zur Innenschale leiten können (z. B. Aufschieben einer Kunststoffscheibe, siehe Bild 9).
Andere Ankerformen (z. B. Flachstahlanker) und Dübel im Mauerwerk sind zulässig, wenn deren Brauchbarkeit nach den bauaufsichtlichen Vorschriften nachgewiesen ist, z. B. durch eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung.
Bei nichtflächiger Verankerung der Außenschale, z. B. linienförmig oder nur in Höhe der Decken, ist ihre Standsicherheit nachzuweisen.
Bei gekrümmten Mauerwerksschalen sind Art, Anordnung und Anzahl der Anker unter Berücksichtigung der Verformung festzulegen.
f) Die Innenschalen und die Geschoßdecken sind an den Fußpunkten der Zwischenräume der Wandschalen gegen Feuchtigkeit zu schützen (siehe Bild 10). Die Abdichtung ist im Bereich des Zwischenraumes im Gefälle nach außen, im Bereich der Außenschale horizontal zu verlegen. Dieses gilt auch bei Fenster- und T ürstürzen sowie im Bereich von Sohlbänken.


(
ß Bild 10)

Bild 10: Fußpunktausführung bei zweischaligem Verblendmauerwerk (Prinzipskizze)

Die Aufstandsfläche muß so beschaffen sein, daß ein Abrutschen der Außenschale auf ihr nicht eintritt. Die erste Ankerlage ist so tief wie möglich anzuordnen. Die Dichtungsbahn für die untere Sperrschicht muß DIN 18 195-4 entsprechen. Sie ist bis zur Vorderkante der Außenschale zu verlegen, an der Innenschale hochzuführen und zu befestigen.
g) Abfangekonstruktionen, die nach dem Einbau nicht mehr kontrollierbar sind, sollen dauerhaft gegen Korrosion geschützt sein.
h) In der Außenschale sollen vertikale Dehnungsfugen angeordnet werden. Ihre Abstände richten sich nach der klimatischen Beanspruchung (Temperatur, Feuchte usw.), der Art der Baustoffe und der Farbe der äußeren Wandfläche. Darüber hinaus muß die freie Beweglichkeit der Außenschale auch in vertikaler Richtung sichergestellt sein.
Die unterschiedlichen Verformungen der Außen- und Innenschale sind insbesondere bei Gebäuden mit über mehrere Geschosse durchgehender Außenschale auch bei der Ausführung der Türen und Fenster zu beachten. Die Mauerwerksschalen sind an ihren Berührungspunkten (z. B. Fenster- und Türanschlägen) durch eine wasserundurchlässige Sperrschicht zu trennen.
Die Dehnungsfugen sind mit einem geeigneten Material dauerhaft und dicht zu schließen.

8.4.3.2 Zweischalige Außenwände mit Luftschicht
Bei zweischaligen Außenwänden mit Luftschicht ist folgendes zu beachten:

a) Die Luftschicht soll mindestens 60 mm und darf bei Verwendung von Drahtankern nach Tabelle 11 höchstens 150 mm dick sein. Die Dicke der Luftschicht darf bis auf 40 mm vermindert werden, wenn der Fugenmörtel mindestens an einer Hohlraumseite abgestrichen wird. Die Luftschicht darf nicht durch Mörtelbrücken unterbrochen werden. Sie ist beim Hochmauern durch Abdecken oder andere geeignete Maßnahmen gegen herabfallenden Mörtel zu schützen.
b) Die Außenschale sollen unten und oben mit Lüftungsöffnungen (z. B. offene Stoßfugen) versehen werden, wobei die unteren Öffnungen auch zur Entwässerung dienen. Das gilt auch für die Brüstungsbereiche der Außenschale. Die Lüftungsöffnungen sollen auf 20 m2 Wandfläche (Fenster und Türen eingerechnet) eine Fläche von jeweils etwa 7500 mm2 haben.
c) Die Luftschicht darf erst 100 mm über Erdgleiche beginnen und muß von dort bzw. von Oberkante Abfangkonstruktion (siehe 8.4.3.1, Aufzählung c)) bis zum Dach bzw. bis Unterkante Abfangkonstruktion ohne Unterbrechung hochgeführt werden.

8.4.3.3 Zweischalige Außenwände mit Luftschicht und Wärmedämmung
Bei Anordnung einer zusätzlichen matten- oder plattenförmigen Wärmedämmschicht auf der Außenseite der Innenschale ist zusätzlich zu 8.4.3.2 zu beachten:

a) Bei Verwendung von Drahtankern nach Tabelle 11 darf der lichte Abstand der Mauerwerksschalen 150 mm nicht überschreiten. Bei größerem Abstand ist die Verankerung durch andere Verankerungsarten gemäß 8.4.3.1, Aufzählung e), 4. Absatz, nachzuweisen.
b) Die Luftschichtdicke von mindestens 40 mm darf nicht durch Unebenheit der Wärmedämmschicht eingeengt werden. Wird diese Luftschichtdicke unterschritten, gilt 8.4.3.4.
c) Hinsichtlich der Eigenschaften und Ausführung der Wärmedämmschicht ist 8.4.3.4, Aufzählung a), sinngemäß zu beachten.

8.4.3.4 Zweischalige Außenwände mit Kerndämmung
Zusätzlich zu 8.4.3.2 gilt:
Der lichte Abstand der Mauerwerksschalen darf 150 mm nicht überschreiten. Der Hohlraum zwischen den Mauerwerksschalen darf ohne verbleibende Luftschicht verfüllt werden, wenn Wärmedämmstoffe verwendet werden, die für diesen Anwendungsbereich genormt sind oder deren Brauchbarkeit nach den bauaufsichtlichen Vorschriften nachgewiesen ist, z. B. durch eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung.
In Außenschale dürfen glasierte Steine oder Steine mit Oberflächenbeschichtungen nur verwendet werden, wenn deren Frostwiderstandsfähigkeit unter erhöhter Beanspruchung geprüft wurde.
1)
Auf die vollfugige Vermauerung der Verblendschale und die sachgemäße Verfugung der Sichtflächen ist besonders zu achten.
Entwässerungsöffnungen in der Außenschale sollen auf 20 m2
Wandfläche (Fenster und Türen eingerechnet) eine Fläche von mindestens 5000 mm2 im Fußpunktbereich haben.
Als Baustoff für die Wärmedämmung dürfen z. B. Platten, Matten, Granulate und Schüttungen aus Dämmstoffen, die dauerhaft wasserabweisend sind, sowie Ortschäume verwendet werden.
Bei der Ausführung gilt insbesondere:

a) Platten- und mattenförmige Mineralfaserdämmstoffe sowie Platten aus Schaumkunststoffen und Schaumglas als Kerndämmung sind an der Innenschale so zu befestigen, daß eine gleichmäßige Schichtdicke sichergestellt ist.
Platten- und mattenförmige Mineralfaserdämmstoffe sind so dicht zu stoßen, Platten aus Schaumkunststoffen so auszubilden und zu verlegen (Stufenfalz, Nut und Feder oder versetzte Lagen), daß ein Wasserdurchtritt an den Stoßstellen dauerhaft verhindert wird.
Materialausbruchstellen bei Hartschaumplatten (z. B. beim Durchstoßen der Drahtanker) sind mit einer lösungsmittelfreien Dichtungsmasse zu schließen.
Die Außenschale soll so dicht, wie es das Vermauern erlaubt (Fingerspalt), vor der Wärmedämmschicht errichtet werden.
b) Bei lose eingebrachten Wärmedämmstoffen (z. B. Mineralfasergranulat, Polystyrolschaumstoff-Partikeln, Blähperlit) ist darauf zu achten, daß der Dämmstoff den Hohlraum zwischen Außen- und Innenschale vollständig ausfüllt. Die Entwässerungsöffnungen am Fußpunkt der Wand müssen funktionsfähig bleiben. Das Ausrieseln des Dämmstoffes ist in geeigneter Weise zu verhindern (z. B. durch nichtrostende Lochgitter).
c) Ortschaum als Kerndämmung muß beim Ausschäumen den Hohlraum zwischen Außen- und Innenschale vollständig ausfüllen. Die Ausschäumen muß auf Dauer in ihrer Wirkung erhalten bleiben.

Für die Entwässerung gilt Aufzählung b) sinngemäß.

8.4.3.5 Zweischalige Außenwände mit Putzschicht
Auf der Außenseite der Innenschale ist eine zusammenhängende Putzschicht aufzubringen. Davor ist die Außenschale (Verblendschale) so dicht, wie es das Vermauern erlaubt (Fingerspalt), vollfugig zu errichten.
Wird statt der Verblendschale eine geputzte Außenschale angeordnet, darf auf die Putzschicht auf der Außenseite der Innenschale verzichtet werden.
Für die Drahtanker nach 8.4.3.1, Aufzählung e), genügt eine Dicke von 3 mm.
Bezüglich der Entwässerungsöffnungen gilt 8.4.3.2, Aufzählung b) sinngemäß . Auf obere Entwässerungsöffnungen darf verzichtet werden.
Bezüglich der Dehnungsfugen gilt 8.4.3.2, Aufzählung h).

8.5 Gewölbe, Bogen und Gewölbewirkung

8.5.1 Gewölbe und Bogen
Gewölbe und Bogen sollen nach der Stützlinie für ständige Last geformt werden. Der Gewölbeschub ist durch geeignete Maßnahmen aufzunehmen. Gewölbe und Bogen größerer Stützweite und stark wechselnder Last sind nach der Elastizitätstheorie zu berechnen. Gewölbe und Bogen mit günstigem Stichverhältnis, voller Hintermauerung oder reichlicher Überschüttungshöhe und mit überwiegender ständiger Last dürfen nach dem Stützlinienverfahren untersucht werden, ebenso andere Gewölbe und Bogen mit kleineren Stützweiten.

8.5.2 Gewölbte Kappen zwischen Trägern
Bei vorwiegend ruhender Verkehrslast nach DIN 1055-3 ist für Kappen, deren Dicke erfahrungsgemäß ausreicht (Trägerabstand bis etwa 2,50 m), ein statischer Nachweis nicht erforderlich.
Die Mindestdicke der Kappen beträgt 115 mm.
Es muß im Verband gemauert werden (Kuff oder Schwalbenschwanz).
Die Stichhöhe muß mindestens
1/10 der Kappenstützweite sein.
Die Endfelder benachbarter Kappengewölbe müssen Zuganker erhalten, deren Abstände höchstens gleich dem Trägerabstand des Endfeldes sind. Sie sind mindestens in den Drittelpunkten und an den Trägerenden anzuordnen. Das Endfeld darf nur dann als ausreichendes Widerlager (starre Scheibe) für die Aufnahme des Horizontalschubes der Mittelfelder angesehen werden, wenn seine Breite mindestens ein Drittel seiner Länge ist. Bei schlankeren Endfeldern sind die Anker über mindestens zwei Felder zu führen. Die Endfelder als Ganzes müssen seitliche Auflager erhalten, die in der Lage sind, den Horizontalschub der Mittelfelder auch dann aufzunehmen, wenn die Endfelder unbelastet sind. Die Auflager dürfen durch Vormauerung, dauernde Auflast, Verankerung oder andere geeignete Maßnahmen gesichert werden.
Über den Kellern von Gebäuden mit vorwiegend ruhender Verkehrslast von maximal 2 kN/m2 darf ohne statischen Nachweis davon ausgegangen werden, daß der Horizontalschub von Kappen bis 1,3 m Stützweite durch mindestens 2 m lange, 240 mm dicke und höchstens 6 m voneinander entfernte Querwände aufgenommen wird, wobei diese gleichzeitig mit den Auflagerwänden der Endfelder (in der Regel Außenwände) im Verband zu mauern sind oder, wenn Loch- bzw. stehende Verzahnung angewendet wird, durch statisch gleichwertige Maßnahmen zu verbinden sind.

8.5.3 Gewölbewirkung über Wandöffnungen
Voraussetzung für die Anwendung dieses Abschnittes ist, daß sich neben und oberhalb des Trägers und der Lastflächen eine Gewölbewirkung ausbilden kann, dort also keine störenden Öffnungen liegen, und der Gewölbeschub aufgenommen werden kann.
Bei Sturz- oder Abfangträgern unter Wänden braucht als Last nur die Eigenlast des Teils der Wände eingesetzt zu werden, der durch ein gleichseitiges Dreieck über dem Träger umschlossen wird.
Gleichmäßig verteilte Last auf das Mauerwerk wirken (z. B. bei Deckenplatten und Balkendecken mit Balkenabständen
£ 1,25 m), sind nur auf der Strecke, in der sie innerhalb des Dreiecks liegen, einzusetzen (siehe Bild 11a).


(
ß Bild 11)

Bild 11a: Deckenlast über Wandöffnungen bei Gewölbewirkung Bild 11b: Einzellast über Wandöffnungen bei Gewölbewirkung

Für Einzellasten, z. B. von Unterzügen, die innerhalb oder in der Nähe des Lastdreiecks liegen, darf eine Lastverteilung von 60° angenommen werden. Liegen Einzellasten außerhalb des Lastdreiecks, so brauchen sie nur berücksichtigt zu werden, wenn sie noch innerhalb der Stützweite des Trägers und unterhalb einer Horizontalen angreifen, die 250 mm über der Dreieckspitze liegt.
Solchen Einzellasten ist die Eigenlast des in Bild 11b horizontal schraffierten Mauerwerks zuzuschlagen.

9 Ausführung

9.1 Allgemeines
Bei stark saugfähigen Steinen und/oder ungünstigen Umgebungsbedingungen ist ein vorzeitiger und zu hoher Wasserentzug aus dem Mörtel durch Vornässen der Steine oder andere geeignete Maßnahmen einzuschränken, wie z. B.

a) durch Verwendung von Mörtel mit verbessertem Wasserrückhaltevermögen,
b) durch Nachbehandlung des Mauerwerks.

9.2 Lager-, Stoß- und Längsfugen

9.2.1 Vermauerung mit Stoßfugenvermörtelung
Bei der Vermauerung sind die Lagerfugen stets vollflächig zu vermauern und die Längsfugen satt zu verfüllen bzw. bei Dünnbettmörtel der Mörtel vollflächig aufzutragen. Stoßfugen sind in Abhängigkeit von der Steinform und vom Steinformat so zu verfüllen bzw. bei Dünnbettmörtel der Mörtel vollflächig aufzutragen, daß die Anforderungen an die Wand hinsichtlich des Schlagregenschutzes, Wärmeschutzes, Schallschutzes sowie des Brandschutzes erfüllt werden können. Beispiele für


(
ß Bild 12)

Bild 12a: Vermauerung von Steinen mit Mörteltaschen bei Knirschverlegung (Prinzipskizze) Bild 12b: Vermauerung von Steinen mit Mörteltaschen durch Auftragen vom Mörtel auf die Steinflanken (Prinzipskizze)

Vermauerungsarten und Fugenausbildung sind in den Bildern 12a bis 12c angegeben.
Die Dicke der Fugen soll so gewählt werden, daß das Maß von Stein und Fuge dem Baurichtmaß bzw. dem Koordinierungsmaß entspricht. In der Regel sollen die Stoßfugen 10 mm und die Lagerfugen 12 mm dick sein. Bei Vermauerung der Steine mit Dünnbettmörtel muß die Dicke der Stoß- und Lagerfuge 1 bis 3 mm betragen.
Wenn Steine mit Mörteltaschen vermauert werden, sollen die Steine entweder knirsch verlegt und die Mörteltaschen verfüllt werden (siehe
Bild 12a) oder durch Auftragen von Mörtel auf die Steinflanken vermauert werden (siehe Bild 12b). Steine gelten dann als knirsch verlegt, wenn sie ohne Mörtel so dicht aneinander verlegt werden, wie dies wegen der herstellungsbedingten Unebenheiten der Stoßfugenflächen möglich ist. Der Abstand der Steine soll im allgemeinen nicht größer als 5 mm sein. Bei Stoßfugenbreiten > 5 mm müssen die Fugen beim Mauern beidseitig an der Wandoberfläche mit Mörtel verschlossen werden.

9.2.2 Vermauerung ohne Stoßfugenvermörtelung
Soll bei Vermauerung von Normal-, Leicht- oder Dünnbettmörtel auf die Vermörtelung der Stoßfugen verzichtet werden, müssen hierzu die Steine hinsichtlich ihrer Form und Maße geeignet sein. Die Steine sind stumpf oder mit Verzahnung durch ein Nut- und Federsystem ohne Stoßfugenvermörtelung knirsch zu verlegen bzw. ineinander verzahnt zu versetzen (siehe Bild 12c). Bei Stoßfugenbreiten > 5 mm müssen die Fugen beim Mauern beidseitig an der Wandoberfläche mit Mörtel verschlossen werden. Die erforderlichen Maßnahmen zur Erfüllung der Anforderungen an die Bauteile hinsichtlich des Schlagregenschutzes, Wärmeschutzes, Schallschutzes sowie des Brandschutzes sind bei dieser Vermauerungsart besonders zu beachten.


(
ß Bild 12)

 

Bild 12c: Vermauerung von Steinen ohne Stoßfugenvermörtelung (Prinzipskizze)

9.2.3 Fugen in Gewölben
Bei Gewölben sind die Fugen so dünn wie möglich zu halten. Am Gewölberücken dürfen sie nicht dicker als 20 mm werden.

9.3 Verband
Es muß im Verband gemauert werden, d. h., die Stoß- und Längsfugen übereinanderliegender Schichten müssen versetzt sein.
Das Überbindemaß ü (siehe Bild 13) muß
³ 0,4 h bzw. ³ 45 mm sein, wobei h die Steinhöhe (Sollmaß) ist. Der größere Wert ist maßgebend.
Die Steine einer Schicht sollen gleiche Höhe haben. An Wandenden und unter Stürzen ist eine zusätzlich Lagerfuge in jeder zweiten Schicht zum Längen- und Höhenausgleich gemäß Bild 13c) zulässig, sofern die Aufstandsfläche der Steine mindestens 115 mm lang ist und Steine und Mörtel mindestens gleiche Festigkeit wie im übrigen Mauerwerk haben. In Schichten mit Längsfugen darf die Steinhöhe nicht größer als die Steinbreite sein. Abweichend davon muß die Aufstandsbreite von Steinen der Höhe 175 und 240 mm mindestens 115 mm betragen. Für das Überbindemaß gilt Absatz 2. Die Absätze 1 und 3 gelten sinngemäß auch für Pfeiler und kurze Wände.


(
ß Bild 13)

Bild 13: Überbindemaß und zusätzliche Lagerfugen

9.4 Mauern bei Frost
Bei Frost darf Mauerwerk nur unter besonderen Schutzmaßnahmen ausgeführt werden. Frostschutzmittel sind nicht zulässig; gefrorene Baustoffe dürfen nicht verwendet werden.
Frisches Mauerwerk ist vor Frost rechtzeitig zu schützen, z. B. durch Abdecken. Auf gefrorenem Mauerwerk darf nicht weitergemauert werden. Der Einsatz von Salzen zum Auftauen ist nicht zulässig. Teile von Mauerwerk, die durch Frost oder andere Einflüsse beschädigt sind, sind vor dem Weiterbau abzutragen.

10 Eignungsprüfungen
Eignungsprüfungen sind nur für Mörtel notwendig, wenn dies nach Anhang A, A.5, gefordert wird.

11 Kontrollen und Güteprüfungen auf der Bauteile

11.1 Rezeptmauerwerk (RM)

11.1.1 Mauersteine
Der bauausführende Unternehmer hat zu kontrollieren, ob die Angaben auf dem Lieferschein oder dem Beipackzettel mit den bautechnischen Unterlagen übereinstimmen. Im übrigen gilt DIN 18 200 in Verbindung mit den entsprechenden Normen für die Steine.

11.1.2 Mauermörtel
Bei Verwendung von Baustellenmörtel ist während der Bauausführung regelmäßig zu überprüfen, daß das Mischungsverhältnis nach Anhang A, Tabelle A. 1, oder nach Eignungsprüfung eingehalten ist.
Bei Werkmörteln ist der Lieferschein oder der Verpackungsaufdruck daraufhin zu kontrollieren, ob die Angaben über Mörtelart und Mörtelgruppe mit den bautechnischen Unterlagen sowie die Sortennummer und das Lieferwerk mit der Bestellung übereinstimmen und das Übereinstimmungszeichen ausgewiesen ist.
Bei allen Mörteln der Gruppe IIIa ist an jeweils drei Prismen aus drei verschiedenen Mischungen je Geschoß, aber mindestens je 10 m3 Mörtel, die Mörteldruckfestigkeit nach DIN 18 555-3 nachzuweisen; sie muß dabei die Anforderungen an die Druckfestigkeit nach Anhang A, Tabelle A.2, Spalte 3, erfüllen.
Bei Gebäuden mit mehr als sechs gemauerten Vollgeschossen ist die geschoßweise Prüfung, mindestens aber je 20 m3 Mörtel, auch bei Normalmörteln der Gruppen II, IIa und III sowie bei Leicht- und Dünnbettmörteln durchzuführen, wobei bei den obersten drei Geschossen darauf verzichtet werden darf.

11.2 Mauerwerk nach Eignungsprüfung (EM)

11.2.1 Einstufungsschein, Eignungsnachweis des Mörtels
Vor Beginn jeder Baumaßnahme muß der Baustelle der Einstufungsschein und gegebenenfalls der Eignungsnachweis des Mörtels (siehe DIN 1053-2, 6.4, letzter Absatz) zur Verfügung stehen.

11.2.2 Mauersteine
Jeder Mauersteinlieferung ist ein Beipackzettel beizufügen, aus dem neben der Norm-Bezeichnung des Steines einschließlich der EM-Kennzeichnung die Steindruckfestigkeit nach Einstufungsschein, die Mörtelart und -gruppe, die Mauerwerksfestigkeitsklasse, die Einstufungsschein-Nr und die ausstellende Prüfstelle ersichtlich sind. Das bauausführende Unternehmen hat zu kontrollieren, ob die Angaben auf dem Lieferschein und dem Beipackzettel mit den bautechnischen Unterlagen übereinstimmen und den Angaben auf dem Einstufungsschein entsprechen.
Im übrigen gilt DIN 18 200 in Verbindung mit den entsprechenden Normen für die Steine.

11.2.3 Mörtels
Bei Verwendung von Baustellenmörtel ist während der Bauausführung regelmäßig zu überprüfen, daß das Mischungsverhältnis nach dem Einstufungsschein eingehalten wird.
Bei Werkmörtel ist der Lieferschein daraufhin zu kontrollieren, ob die Angaben über die Mörtelart und -gruppe, das Herstellwerk und die Sorten-Nr den Angaben im Einstufungsschein entsprechen.
Bei Verwendung von Austauschmörteln nach DIN 1053-2, 6.4, letzter Absatz, ist entsprechend zu verfahren.
Bei allen Mörteln ist an jeweils 3 Prismen aus 3 verschiedenen Mischungen die Mörteldruckfestigkeit nach DIN 18 555-3 nachzuweisen. Sie muß dabei die Anforderungen an die Druckfestigkeit nach Tabellen A.2, A.3 und A.4 bei Güteprüfung erfüllen. Diese Kontrollen sind für jeweils 10 m3 verarbeiteten Mörtels, mindestens aber je Geschoß, vorzunehmen.

12 Natursteinmauerwerk

12.1 Allgemeines
Natursteine für Mauerwerk dürfen nur aus gesundem Gestein gewonnen werden. Ungeschützt dem Witterungswechsel ausgesetztes Mauerwerk muß ausreichend witterungswiderstandsfähig gegen diese Einflüsse sein.
Geschichtete (lagerhafte) Steine sind im Bauwerk so zu verwenden, wie es ihrer natürlichen Schichtung entspricht. Die Lagerfugen sollen rechtwinklig zum Kraftangriff liegen. Die Steinlängen sollen das Vier- bis Fünffache der Steinhöhen nicht über - und die Steinhöhen nicht unterschreiten.

12.2 Verband

12.2.1 Allgemeines
Der Verband bei reinem Natursteinmauerwerk muß im ganzen Querschnitt handwerksgerecht sein, d. h., daß

a) an der Vorder- und Rückfläche nirgends mehr als drei Fugen zusammenstoßen,
b) keine Stoßfuge durch mehr als zwei Schichten durchgeht,
c) auf zwei Läufer mindestens ein Binder kommt oder Binder- und Läuferschichten miteinander abwechseln,
d) die Dicke (Tiefe) der Binder etwa das 11/2fache der Schichthöhe, mindestens aber 300 mm, beträgt,
e) die Dicke (Tiefe) der Läufer etwa gleich der Schichthöhe ist,
f) die Überdeckung der Stoßfugen bei Schichtenmauerwerk mindestens 100 mm und bei Quadermauerwerk mindestens 150 mm beträgt und
g) an den Ecken die größten Steine (gegebenenfalls in Höhe von zwei Schichten) nach Bild 17 und Bild 18 eingebaut werden.

Lassen sich Zwischenräume im Innern des Mauerwerk nicht vermeiden, so sind sie mit geeigneten, allseits von Mörtel umhüllten Steinstücken so auszuzwickeln, daß keine unvermörtelten Hohlräume entstehen. In ähnlicher Weise sind auch weite Fugen auf der Vorder- und Rückseite von Zyklopenmauerwerk, Bruchsteinmauerwerk und hammerrechtem Schichtenmauerwerk zu behandeln. Sofern kein Fugenglattstrich ausgeführt wird, sind die Sichtflächen nachträglich zu verfugen. Sind die Flächen der Witterung ausgesetzt, so muß die Verfugung lückenlos sein und eine Tiefe mindestens gleich der Fugendicke haben. Die Art der Bearbeitung der Steine in der Sichtfläche ist nicht maßgebend für die zulässige Druckbeanspruchung und deshalb hier nicht behandelt.

12.2.2 Trockenmauerwerk
Bruchsteine sind ohne Verwendung von Mörtel unter geringer Bearbeitung in richtigem Verband so aneinanderzufügen, daß möglichst enge Fugen und kleine Hohlräume verbleiben. Die Hohlräume zwischen den Steinen müssen durch kleinere Steine so ausgefüllt werden, daß durch Einkeilen Spannung zwischen den Mauersteinen entsteht.
Trockenmauerwerk darf nur für Schwergewichtsmauern (Stützmauern) verwendet werden. Als Berechnungsgewicht dieses Mauerwerkes ist die Hälfte der Rohdichte des verwendeten Steines anzunehmen.

12.2.3 Zyklopenmauerwerk und Bruchsteinmauerwerk
(siehe Bilder 15 und 16)
Wenig bearbeitete Bruchsteine sind im ganzen Mauerwerk im Verband und in Mörtel zu verlegen.
Das Bruchsteinmauerwerk ist in seiner ganzen Dicke und in Abständen von höchstens 1,50 m rechtwinklig zur Kraftrichtung auszugleichen.

12.2.4 Hammerrechtes Schichtenmauerwerk
(siehe Bild 17)
Die Steine der Sichtfläche erhalten auf mindestens 120 mm Tiefe bearbeitete Lager- und Stoßfugen, die ungefähr rechtwinklig zueinander stehen.
Die Schichtdicke darf innerhalb einer Schicht und in den verschiedenen Schichten wechseln, jedoch ist das Mauerwerk in seiner ganzen Dicke in Abständen von höchstens 1,50 m rechtwinklig zur Kraftrichtung auszugleichen.

12.2.5 Unregelmäßiges Schichtenmauerwerk
(siehe Bild 18)
Die Steine der Sichtfläche erhalten auf mindestens 150 mm Tiefe bearbeitete Lager- und Stoßfugen, die zueinander und zur Oberfläche rechtwinklig stehen.
Die Fugen der Sichtfläche dürfen nicht dicker als 30 mm sein. Die Schichthöhe darf in mäßigen Grenzen wechseln, jedoch ist das Mauerwerk in seiner ganzen Dicke in Abständen von höchstens 1,50 m rechtwinklig zur Kraftrichtung auszugleichen.

12.2.6 Regelmäßiges Schichtenmauerwerk
(siehe Bild 19)
Es gelten die Festlegungen nach 12.2.5. Darüber hinaus darf innerhalb einer Schicht die Höhe der Steine nicht wechseln; jede Schicht ist rechtwinklig zur Kraftrichtung auszugleichen. Bei Gewölben, Kuppeln und dergleichen müssen die Lagerfugen über die ganze Gewölbedicke hindurchgehen. Die Schichtsteine sind daher auf ihrer ganzen Tiefe in den Lagerfugen zu bearbeiten, während bei den Stoßfugen eine Bearbeitung auf 150 mm Tiefe genügt.


(
ß Bild 14)                                                                                                             (ß Bild 15)

Bild 14: Trockenmauerwerk


(ß Bild 16)

Bild 15: Zyklopenmauerwerk


(ß Bild 17)

Bild 16: Bruchsteinmauerwerk


(ß Bild 18)

Bild 17: Hammerrechtes Schichtenmauerwerk


(ß Bild 19)

Bild 18: Unregelmäßiges Schichtenmauerwerk Bild 19: Regelmäßiges Schichtenmauerwerk

12.2.7 Quadermauerwek (siehe Bild 20)
Die Steine sind nach den angegebenen Maßen zu bearbeiten. Lager- und Stoßfugen müssen in ganzer Tiefe bearbeitet sein.


(
ß Bild 20)

Bild 20: Quadermauerwerk

12.2.8 Verblendmauerwerk (Mischmauerwerk)
Verblendmauerwerk darf unter den folgenden Bedingungen zum tragenden Querschnitt gerechnet werden:

a) Das Verblendmauerwerk muß gleichzeitig mit der Hintermauerung im Verband gemauert werden.
b) Es muß mit der Hintermauerung durch mindestens 30% Bindersteine verzahnt werden.
c) Die Bindersteine müssen mindestens 240 mm dick (tief) sein und mindestens 100 mm in die Hintermauerung eingreifen.
d) Die Dicke von Platten muß gleich oder größer als 1/3 ihrer Höhe und mindestens 115 mm sein.
e) Bei Hintermauerung aus künstlichen Steinen (Mischmauerwerk) darf außerdem jede dritte Natursteinschicht nur aus Bindern bestehen.

Besteht der hintere Wandteil aus Beton, so gelten die vorstehenden Bedingungen sinngemäß.
Bei Pfeilern dürfen Plattenverkleidungen nicht zum tragenden Querschnitt gerechnet werden.
Für die Ermittlung der zulässige Beanspruchung des Bauteils ist das Material (Mauerwerk, Beton) mit der niedrigsten zulässigen Beanspruchung maßgebend.
Verblendmauerwerk, das nicht die Bedingungen der Aufzählungen a) bis e) erfüllt, darf nicht zum tragenden Querschnitt gerechnet werden. Geschichtete Steine dürfen dann auch gegen ihr Lager vermauert werden, wenn sie parallel zur Schichtung eine Mindestdruckfestigkeit von 20 kN/m2 besitzen. Nichttragendes Verblendmauerwerk, ist nach 8.4.3.1, Aufzählungen e), zu verankern und nach Aufzählungen d) desselben Abschnittes abzufangen.

12.3 Zulässige Beanspruchung

12.3.1 Allgemeines
Die Druckfestigkeit von Gestein, das für tragende Bauteile verwendet wird, muß mindestens 20 N/mm2 betragen. Abweichend davon ist Mauerwerk der Güteklasse N4 aus Gestein mit der Mindestdruckfestigkeit von 5 N/mm2
zulässig, wenn die Grundwerte so nach Tabelle 14 für die Steinfestigkeit b st = 20 N/mm2 nur zu einem Drittel angesetzt werden. Bei einer Steinfestigkeit von 10 N/mm2 sind die Grundwerte so zu halbieren.
Erfahrungswerte für die Mindestdruckfestigkeit einiger Gesteinsarten sind in Tabelle 12 angegeben.
Als Mörtel darf nur Normalmörtel verwendet werden.
Das Natursteinmauerwerk ist nach seiner Ausführung (insbesondere Steinform, Verband und Fugenausbildung) in die Güteklassen N1 bis N4 einzustufen. Tabelle 13 und Bild 21 geben einen Anhalt für die Einstufung. Die darin aufgeführten Anhaltswerte Fugenhöhe/Steinlänge, Neigung der Lagerfuge und Übertragungsfaktor sind als Mittelwerte anzusehen. Der Übertragungsfaktor ist das Verhältnis von Überlappungsflächen der Steine zum Wandquerschnitt im Grundriß. Die Grundeinstufung nach Tabelle 13 beruht auf üblichen Ausführungen.
Die Mindestdicke von tragendem Natursteinmauerwerk beträgt 240 mm, der Mindestquerschnitt 0,1 m2
.

Tabelle 12: Mindestdruckfestigkeit der Gesteinsarten

Gesteinsarten

Mindestdruckfestigkeit

N/mm2

Kalkstein, Travertin, vulkanische Tuffsteine

20

Weiche Sandsteine (mit tonigem Bindemittel) und dergleichen

30

Dichte (feste) Kalkstein und Dolomite (einschließlich Marmor), Basaltlava und dergleichen

50

Quarzitische Sandsteine (mit kieseligem Bindemittel), Grauwacke und dergleichen

80

Granit, Syenit, Diorit, Quarzporphyr, Melaphyr, Diabas und dergleichen

120

Tabelle 13: Anhaltswerte zur Güteklasseneinstufung von Natursteinmauerwerk

Güteklasse

Grundeinstufung

Fugenhöhe/ Steinlänge
h/
l

Neigung der Lagerfugen
tan
a

Übertragungsfaktor
h

N1

Bruchsteinmauerwerk

£ 0,25

£ 0,30

³ 0,5

N2

Hammerrechtes Schichtenmauerwerk

£ 0,20

£ 0,15

³ 0,65

N3

Schichtenmauerwerk

£ 0,13

£ 0,10

³ 0,75

N4

Quadermauerwerk

£ 0,07

£ 0,05

³ 0,85


(ß Bild 21)

Bild 21 : Darstellung der Anhaltswerte nach Tabelle 13

12.3.2 Spannungsnachweis bei zentrischer und exzentrischer Druckbeanspruchung
Die Grundwerte
so der zulässigen Spannungen von Natursteinmauerwerk ergeben sich in Abhängigkeit von der Güteklasse, der Steinfestigkeit und der Mörtelgruppen nach Tabelle 14.
In Tabelle 14 bedeutet
bst die charakteristische Druckfestigkeit der Natursteine (5% Quantil bei 90% Aussagewahrscheinlichkeit), geprüft nach DIN 52 105.
Wände der Schlankheit hK / d > 10 sind nur in den Güteklassen N3 und N4 zulässig. Schlankheiten hK / d > 14 nur bei mittiger Belastung zulässig, Schlankheiten hK / d > 20 sind unzulässig.
Bei Schlankheiten hK / d
£ 10 sind als zulässige Spannungen die Grundwerte so nach Tabelle 14 anzusetzen. Bei Schlankheiten hK / d > 10 sind die Grundwerte so nach Tabelle 14 mit dem Faktor

abzumindern.

Tabelle 14: Grundwerte so der zulässigen Druckspannung für Natursteinmauerwerk mit Normalmörtel

Güteklassen

Steinfestig-
keit
bst
N/mm2

Grundwerte so1)
Mörtelgruppe

I
MN/m2

II
MN/m2

IIa
MN/m2

III
MN/m2

N1

³ 20

0,2

0,5

0,8

1,2

³ 50

0,3

0,6

0,9

1,4

N2

³ 20

0,4

0,9

1,4

1,8

³ 50

0,6

1,1

1,6

2,0

N3

³ 20

0,5

1,5

2,0

2,5

³ 50

0,7

2,0

2,5

3,5

³ 100

1,0

2,5

3,0

4,0

N4

³ 20

1,2

2,0

2,5

3,0

³ 50

2,0

3,5

4,0

5,0

³ 100

3,0

4,5

5,5

7,0

1)Bei Fugendicken über 40 mm sind die Grundwerte s o um 20% zu vermindern.

12.3.3 Zug- und Biegezugspannungen
Zugspannungen sind im Regelfall in Natursteinmauerwerk der Güteklassen N1 , N2 und N3 unzulässig.
Bei Güteklasse N4 gilt 6.9.4 sinngemäß mit max
sz = 0,20 MN/m2.

12.3.4 Schubspannungen
Für den Nachweis der Schubspannungen gilt 6.9.5 mit dem Höchstwert max
t = 0,3 MN/m2.

Anhang A Mauermörtel

A.1 Mörtelarten
Mauermörtel ist ein Gemisch von Sand, Bindemittel und Wasser, gegebenenfalls auch Zusatzstoffen und Zusatzmitteln.
Es werden unterschieden:

a) Normalmörtel (NM),
b) Leichtmörtel (LM) und
c) Dünnbettmörtel (DM).

Normalmörtel sind baustellengefertigte Mörtel oder Werkmörtel mit Zuschlagarten nach DIN 4226-1 mit einer Trockenrohdichte von mindestens 1,5 kg/dm3. Diese Eigenschaft ist für Mörtel nach Tabelle A.1 gegeben; für Mörtel nach Eignungsprüfung ist sie nachzuweisen.
Leichtmörtel
1*) sind Werk-Trocken- oder Werk-Frischmörtel mit einer Trockenrohdichte < 1,5 kg/dm3 mit Zuschlagarten nach DIN 4226-1 und DIN 4226-2 sowie Leichtzuschlag, dessen Brauchbarkeit nach den bauaufsichtlichen Vorschriften nachgewiesen ist (siehe Abschnitt 1, Anmerkung).
Dünnbettmörtel sind Werk-Trockenmörtel aus Zuschlagarten nach DIN 4226-1 mit einer Größtkorn von 1,0 mm, Zement nach DIN 1164-1 sowie Zusätzen (Zusatzmitteln, Zusatzstoffen). Die organischen Bestandteile dürfen einen Masseanteil von 2% nicht überschreiten.
Normalmörtel werden in die Mörtelgruppen I, II, IIa, III und IIIa eingeteilt; Leichtmörtel in die Gruppen LM 21 und LM 36; Dünnbettmörtel wird der Gruppe III zugeordnet.

A.2 Bestandteile und Anforderungen

A.2.1 Sand
Sand muß aus Zuschlagarten nach DIN 4226-1, Abschnitt 4, und/oder DIN 4226-2 oder aus Zuschlag, dessen Brauchbarkeit nach den bauaufsichtlichen Vorschriften nachgewiesen ist (siehe Abschnitt 1, Anmerkung), bestehen. Er soll gemischtkörnig sein und darf keine Bestandteile enthalten, die zu Schäden am Mörtel oder Mauerwerk führen.
Solche Bestandteile können z. B. sein: größere Mengen Abschlämmbares, sofern dieses aus Ton oder Stoffen organischen Ursprungs besteht (z. B. pflanzliche, humusartige oder Kohlen-, insbesondere Braunkohlenanteile).
Als abschlämmbare Bestandteile werden Kornanteile unter 0,063 mm bezeichnet (siehe DIN 4226-1). Die Prüfung erfolgt nach DIN 4226-3. Ist der Masseanteil an abschlämmbaren Bestandteilen größer als 8%, so muß die Brauchbarkeit des Zuschlages bei der Herstellung von Mörtel durch eine Eignungsprüfung nach A.5 nachgewiesen werden. Eine Eignungsprüfung ist auch erforderlich, wenn bei der Prüfung
mit Natronlauge nach DIN 4226-3 eine tiefgelbe, bräunliche oder rötliche Verfärbung festgestellt wird.
Der Leichtzuchlag muß die Anforderungen an den Glühverlust, die Raumbeständigkeit und an die Schüttdichte nach DIN 4226-2 erfüllen, jedoch darf bei Leichtzuchlag mit einer Schüttdichte < 0,3 kg/dm3 die geprüfte Schüttdichte von dem aufgrund der Eignungsprüfung festgelegten Sollwert um nicht mehr als 20% abweichen.

A.2.2 Bindemittel
Es dürfen nur Bindemittel nach DIN 1060-1, DIN 1164-1 sowie DIN 4211 verwendet werden.

A.2.3 Zusatzstoffe
Zusatzstoffe sind fein aufgeteilte Zusätze, die die Mörteleigenschaften beeinflussen und im Gegensatz zu den Zusatzmitteln in größerer Menge zugegeben werden. Sie dürfen das Erhärten des Bindemittels, die Festigkeit und die Beständigkeit des Mörtels sowie den Korrosionsschutz der Bewehrung im Mörtel bzw. von stählernen Verankerungskonstruktionen nicht unzulässig beeinträchtigen.
Als Zusatzstoffe dürfen nur Baukalke nach DIN 1060-1, Gesteinsmehle nach DIN 4226-1, Traß nach DIN 51 043 und Betonzusatzstoffe mit Prüfzeichen sowie geeignete Pigmente (z.B. nach DIN 53 237) verwendet werden.
Zusatzstoffe dürfen nicht auf den Bindemittelgehalt angerechnet werden, wenn die Mörtelzusammensetzung nach Tabelle A.1 festgelegt wird; für diese Mörtel darf der Volumenanteil höchstens 15% vom Sandgehalt betragen. Eine Eignungsprüfung ist in diesem Fall nicht erforderlich.

A.2.4 Zusatzmittel
Zusatzmittel sind Zusätze, die die Mörteleigenschaften durch chemische oder physikalische Wirkung ändern und in geringer Menge zugegeben werden, wie z. B. Luftporenbildner, Verflüssiger, Dichtungsmittel, Erstarrungsbeschleuniger und Verzögerer, sowie solche, die den Haftverbund zwischen Mörtel und Stein günstig beeinflussen. Luftporenbildner dürfen nur in der Menge zugeführt werden, daß bei Normalmörtel und Leichtmörtel die Trockenrohdichte um höchstens 0,3 kg/dm3 vermindert wird.
Zusatzmittel dürfen nicht zu Schäden am Mörtel oder am Mauerwerk führen. Sie dürfen auch die Korrosion der Bewehrung oder der stählernen Verankerungen nicht fördern. Diese Anforderung gilt für Betonzusatzmittel mit allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung als erfüllt.
Für andere Zusatzmittel ist die Unschädlichkeit nach den Zulassungsrichtlinien
2) für Betonzusatzmittel durch Prüfung der Halogengehaltes und durch die elektrochemische Prüfung nachzuweisen.
Da Zusatzmittel einige Eigenschaften positiv und unter Umständen gleichzeitig andere aber auch negativ beeinflussen können, ist vor Verwendung eines Zusatzmittels stets eine Mörtel-Eignungsprüfung nach A.5 durchzuführen.

A.3 Mörtelzusammensetzung und Anforderungen

A.3.1 Normalmörtel (NM)
Die Zusammensetzung der Mörtelgruppen für Normalmörtel ergibt sich ohne besonderen Nachweis aus Tabelle A.1. Mörtel der Gruppe IIIa soll wie Mörtel der Gruppe III nach Tabelle A.1 zusammengesetzt sein. Die größere Festigkeit soll vorzugsweise durch Auswahl geeigneter Sande erreicht werden.
Für Mörtel der Gruppe II, IIIa und III, die in ihrer Zusammensetzung nicht Tabelle A.1 entsprechen, sowie stets für Mörtel der Gruppe IIIa sind Eignungsprüfungen nach A.5.2 durchzuführen; dabei müssen die Anforderungen nach Tabelle A.2 erfüllt werden.

Tabelle A.1: Mörtelzusammensetzung, Mischungsverhältnisse für Normalmörtel in Raumteilen

 

1

2

3

4

5

6

7

Mörtel-
gruppe
MG

Luftkalk

Hydrauli-
scher Kalk
(HL2)

Hydraulischer Kalk (HL5), Putz- und Mauerbinder
(MC5)

Zement

Sand 1) aus natürlichem Gestein

Kalkteig

Kalkhydrat

1

2

3

4

I

1

-

-

-

-

1

-

-

-

-

1

-

-

-

-

1

-

-

-

-

4

3

3

4,5

5

6

7

8

II

1,5

-

-

-

-

2

-

-

-

-

2

-

-

-

-

1

1

1

1

-

8

8

8

3

9

10

II a

-

-

1

-

-

-

-

2

1

1

6

8

11

12

III

III a 2)

-

-

-

-

-

-

-

-

1

1

4

4

1) Die Werte des Sandanteils beziehen sich auf den lagerfeuchten Zustand.
2) Siehe auch A.3.1.

Tabelle A.2: Anforderungen an Normalmörtel

1

2

3

4

Mörtelgruppe

MG

Mindestdruckfestigkeit 1)
in Alter von 28 Tagen
Mittelwert

Mindesthaftscherfestigkeit im Alter von
28 Tagen 4)
Mittelwert

bei Eignungsprüfung 2) ,3)
N/mm2

bei Güteprüfung
N/mm2

bei Eignungsprüfung
N/mm2

I

-

-

-

II

3,5

2,5

0,10

IIa

7

5

0,20

III

14

10

0,25

IIIa

25

20

0,30

1) Mittelwert der Druckfestigkeit von sechs Proben (aus drei Prismen). Die Einzelwerte dürfen nicht mehr als 10% vom arithmetischen Mittel abweichen.
2) Zusätzlich ist die Druckfestigkeit des Mörtels in der Fuge zu prüfen. Diese Prüfung wird z. Z. nach der "Vorläufigen Richtlinie zur Ergänzung der Eignungsprüfung von Mauermörtel; Druckfestigkeit in der Lagerfuge; Anforderungen, Prüfung "durchgeführt. Die dort festgelegten Anforderungen sind zu erfüllen.
3) Richtwert bei Werkmörtel
4) Als Referenzstein ist Kalksandstein DIN 106 - KS 12 - 2,0 -NF (ohne Lochung bzw. Grifföffnung) mit einer Eigenfeuchte von 3 bis 5% (Masseanteil) zu verwenden, dessen Eignung für diese Prüfung von der Amtlichen Materialprüfanstalt für das Bauwesen beim Institut für Baustoffkunde und Materialprüfung der Universität Hannover, Nienburger Straße 3, 30617 Hannover, bescheinigt worden ist.
Die maßgebende Haftscherfestigkeit ergibt sich aus dem Prüfwert multipliziert mit dem Prüffaktor 1,2.

Tabelle A.3: Anforderungen an Leichtmörtel

   

Anforderungen bei

Prüfung
nach

Eignungsprüfung

Güteprüfung

LM 21

LM 36

LM 21

LM 36

1

Druckfestigkeit im Alter von 28 Tagen,
in N/mm2

³ 72) 1)

³ 72) 1)

³ 5

³ 5

DIN 18 555-3

2

Querdehnungsmodul Eq im Alter von
28 Tagen, in N/mm2

> 7,5 . 103

> 15 . 103

3)

3)

DIN 18 555-4

3

Längsdehnungsmodul El im Alter von
28 Tagen, in N/mm2

> 2 . 103

> 3 . 103

-

-

DIN 18 555-4

4

Haftscherfestigket4) im Alter von
28 Tagen, in N/mm2

³ 0,20

³ 0,20

-

-

DIN 18 555-5

5

Trockenrohdichte6) im Alter von
28 Tagen, in kg/dm3

£ 0,7

£ 1,0

5)

5)

DIN 18 555-3

6

Wärmeleitfähigkeit 6) l 10tr in W/(m . K)

£ 0,18

£ 0,27

-

-

DIN 52 612-1

1) Siehe Fußnote 2) in Tabelle A.2.
2) Richtwert
3) Trockenrohdichte als Ersatzprüfung, bestimmt nach DIN 18555-3.
4) Siehe Fußnote 4) in Tabelle A.2.
5) Grenzabweichung höchstens ± 10% von dem bei der Eignungsprüfung ermittelten Wert.
6) Bei Einhaltung der Trockenrohdichte nach Zeile 5 gelten die Anforderungen an die Wärmeleitfähigkeit ohne Nachweis als erfüllt. Bei einer Trockenrohdichte größer als 0,7 kg/dm3 für LM 21 sowie als 1,0 kg/dm3 für LM 36 oder bei Verwendung von Quarzsandzuschlag sind die Anforderungen nachzuweisen.

Tabelle A.4: Anforderungen an Dünnbettmörtel

   

Anforderungen bei

Prüfung
nach

Eignungsprüfung

Güteprüfung

1

Druckfestigkeit1) im Alter von 28 Tagen, in N/mm2

³ 14 4)

³ 10

DIN 18 555-3

2

Druckfestigkeit1) im Alter von 28 Tagen bei Feuchtlagerung, in N/mm2

³ 70% vom Istwert der Zeile 1

DIN 18 555-3
jedoch Feuchtlagerung2)

3

Haftscherfestigket3) im Alter von 28 Tagen, in N/mm2

³ 0,5

-

DIN 18 555-5

4

Verarbeitbarkeitszeit, in h

³ 4

-

DIN 18 555-8

5

Korrigierbarkeitszeit, in min

³ 7

-

DIN 18 555-8

1) Siehe Fußnote1) in Tabelle A.2.
2) Bis zum Alter von 7 Tagen im Klima 20/95 nach DIN 18 555-3, danach 7 Tage im Normalklima DIN 50 014-20/65-2 und 14 Tage unter Wasser bei + 20°C
3) Siehe Fußnote4) in Tabelle A.2.
4) Richtwert

A.3.2 Leichtmörtel (LM)
Für Leichtmörtel ist die Zusammensetzung aufgrund einer Eignungsprüfung (siehe A.5.3) festzulegen.
Leichtmörtel müssen die Anforderungen nach Tabelle A.3 erfüllen.
Zusätzlich müssen Zuschlagarten nach DIN 4226-1 und DIN 4226-2 sowie Zuschlag, dessen Brauchbarkeit nach den bauaufsichtlichen Vorschriften nachgewiesen ist (siehe Abschnitt 1, Anmerkung), den Anforderungen nach A.2.1, letzter Absatz, genügen.
Bei der Bestimmung der Längs- und Querdehnungsmoduln gilt in Zweifelsfällen der Querdehnungsmodul als Referenzgröße.

A.3.3 Dünnbettmörtel (DM)
Für Dünnbettmörtel ist die Zusammensetzung aufgrund einer Eignungsprüfung (siehe A.5.4) festzulegen. Dünnbettmörtel müssen die Anforderungen nach Tabelle A.4 erfüllen.

A.3.4 Verarbeitbarkeit
Alle Mörtel müssen eine verarbeitungsgerechte Konsistenz aufweisen. Aus diesem Grunde dürfen Zusätze zur Verbesserung der Verarbeitbarkeit und des Wasserrückhaltevermögens zugegeben werden (siehe A.2.4). In diesem Fall sind Eignungsprüfung erforderlich (siehe aber A.2.3).

A.4 Herstellung des Mörtels

A.4.1 Baustellenmörtel
Bei der
Herstellung des Mörtels auf der Baustelle müssen Maßnahmen für die trockene und witterungsgeschützte Lagerung der Bindemittel, Zusatzstoffe und Zusatzmittel und eine saubere Lagerung des Zuschlages getroffen werden.
Für das Abmessen der Bindemittel und des Zuschlages, gegebenenfalls auch der Zusatzstoffe und der Zusatzmittel, sind Waagen oder Zumeßbehälter (z. B. Behälter oder Mischkästen mit volumetrischer Einteilung, jedoch keine Schaufeln) zu verwenden, die eine gleichmäßige Mörtelzusammensetzung erlauben. Die Stoffe müssen im Mischer so lange gemischt werden, bis ein gleichmäßiges Gemisch entstanden ist. Eine Mischanweisung ist deutlich sichtbar am Mischer anzubringen.

A.4.2 Werkmörtel
Werkmörtel sind nach DIN 18 557 herzustellen, zu liefern und zu überwachen. Es werden folgende Lieferformen unterschieden:

a) Werk-Trockenmörtel,
b) Werk-Vormörtel und
c) Werk-Frischmörtel (einschließlich Mehrkammer-Silomörtel).

Bei der Weiterbehandlung dürfen dem Werk-Trockenmörtel nur die erforderlichen Wassermenge und dem Werk-Vormörtel außer der erforderlichen Wassermenge die erforderliche Zementmenge zugegeben werden. Werkmörteln dürfen jedoch auf der Baustelle keine Zuschläge und Zusätze (Zusatzstoffe und Zusatzmittel) zugegeben werden. Mehrkammer-Silomörtel dürfen nur mit dem vom Werk fest eingestellten Mischungsverhältnis unter Zugabe der erforderlichen Wassermenge hergestellt werden.
Werk-Vormörtel und Werk-Trockenmörtel
müssen auf der Baustelle in einem Mischer aufbereitet werden. Werk-Frischmörtel ist gebrauchsfertig in verarbeitbarer Konsistenz zu liefern.

A.5 Eignungsprüfungen

A.5.1 Allgemeines
Eignungsprüfungen sind für Mörtel erforderlich,

a) wenn die Brauchbarkeit des Zuschlages nach A.2.1 nachzuweisen ist,
b) wenn Zusatzstoffe (siehe aber A.2.3) oder Zusatzmittel verwendet werden,
c) bei Bauteilenmörtel, wenn dieser nicht nach Tabelle A.1 zusammengesetzt ist oder Mörtel der Gruppe IIIa verwendet wird,
d) bei Werkmörtel einschließlich Leicht- und Dünnbettmörtel,
e) bei Bauwerken mit mehr als sechs gemauerten Vollgeschossen.

Die Eignungsprüfung ist zu wiederholen, wenn sich die Ausgangsstoffe oder die Zusammensetzung der Mörtel wesentlich ändern.
Bei Mörteln, die zur Beeinflussung der Verarbeitungszeit Zusatzmittel enthalten, sind die Probekörper am Beginn und am Ende der vom Hersteller anzugebenden Verarbeitungszeit herzustellen. Die Prüfung erfolgt stets im Alter von 28 Tagen, gerechnet vom Beginn der Verarbeitungszeit. Die Anforderungen sind von Proben beider Entnahmetermine zu erfüllen.

A.5.2 Normalmörtel
Es sind die Konsistenz und die Rohdichte des Frischmörtels nach DIN 18 555-2 zu ermitteln. Außerdem sind die Druckfestigkeit nach
DIN 18 555-3 und zusätzlich nach der vorläufigen Richtlinie zur Ergänzung der Eignungsprüfung von Mauermörtel und die Haftscherfestigkeit nach DIN 18 555-53) nachzuweisen. Dabei sind die Anforderungen nach Tabelle A.2 zu erfüllen.

A.5.3 Leichtmörtel
Es sind zu ermitteln:

a) Druckfestigkeit im Alter von 28 Tagen nach DIN 18 555-3 und Druckfestigkeit des Mörtels in der Fuge nach der vorläufigen Richtlinie zur Ergänzung der Eignungsprüfung von Mauermörtel,
b) Querdehnungs- und Längsdehnungsmodul Eq und El im Alter von 28 Tagen nach DIN 18 555-4,
c) Haftscherfestigkeit nach DIN 18 555-53),
d) Trockenrohdichte nach DIN 18 555-3,
e) Schüttdichte des Leichtzuschlages nach DIN 4226-3.

Dabei sind die Anforderungen nach Tabelle A.3 zu erfüllen. Die Werte für die Trockenrohdichte und die Leichtmörtelgruppen LM 21 oder LM 36 sind auf dem Sack oder Lieferschein anzugeben.

A.5.4 Dünnbettmörtel
Es sind zu ermitteln:

a) Druckfestigkeit im Alter von 28 Tagen nach DIN 18 555-3 sowie der Druckfestigkeitsabfall infolge Feuchtlagerung (siehe Tabelle A.4),
b) Haftscherfestigkeit im Alter von 28 Tagen nach DIN 18 555-5 3),
c) Verarbeitbarkeitszeit und Korrigierbarkeitszeit nach DIN 18 555-8.

Die Anforderungen nach Tabelle A.4 sind zu erfüllen.

--------

1) Mauerziegel nach DIN 52252-1, Kalksandsteine nach DIN 106-2
1*) DIN 4108-4 ist zu beachten.
2) Richtlinien für die Erteilung von Zulassungen für Betonzusatzmittel (Zulassungsrichtlinien), Fassung Juni 1993, abgedruckt in den Mitteilungen des Deutschen Instituts für Bautechnik, 1993, Heft 5.
3) Siehe Fußnote 4) in Tabelle A.2.